Warenwirtschaft & BestandZuletzt geprüft: 2026-07-31

Available-to-Promise (ATP)

Available-to-Promise (ATP) ist die verbindlich zusagbare Verfügbarkeit eines Artikels zu einem bestimmten Termin: die Menge, die ein ERP-System aus physischem Bestand und erwarteten Zugängen abzüglich bereits reservierter Bedarfe einem neuen Kundenauftrag noch fest zusagen kann.

Available-to-Promise (ATP) bezeichnet die Menge eines Artikels, die zu einem bestimmten Zeitpunkt einem neuen Kundenauftrag verbindlich zugesagt werden kann, ohne bereits bestätigte Aufträge zu gefährden. ATP ist damit nicht der reine Lagerbestand, sondern eine Nettogröße: verfügbarer physischer Bestand plus fest eingeplante Zugänge (Bestellungen, Fertigungsaufträge) minus der bereits für andere Aufträge reservierten Mengen. Das ATP-Ergebnis beantwortet im Verkauf die zentrale Frage „Kann ich diese Menge zu diesem Termin liefern?" – und liefert die Grundlage für belastbare Lieferzusagen.

ATP ist ein Kernbestandteil moderner Warenwirtschafts- und ERP-Systeme und verbindet Bestandsführung, Auftragsabwicklung und Beschaffung zu einer verlässlichen Verfügbarkeitsprüfung. Ohne ATP arbeitet ein Vertrieb entweder mit unnötig konservativen Lieferzeiten oder riskiert Überverkäufe, weil derselbe Bestand mehrfach zugesagt wird. Eine korrekt konfigurierte ATP-Logik ist deshalb die Voraussetzung dafür, im Auftragsprozess automatisch realistische Liefertermine zu nennen und den vorhandenen Bestand bestmöglich auszunutzen.

Auf einen Blick

  • ATP = physischer Bestand + geplante Zugänge − reservierte Bedarfe
  • Antwortet auf: „Welche Menge kann ich zu welchem Termin verbindlich zusagen?"
  • Verhindert Überverkäufe und stützt belastbare Lieferzusagen
  • Zeitpunktbezogen: heute verfügbar ≠ am Wunschtermin verfügbar
  • Erweiterung CTP (Capable-to-Promise) bezieht freie Produktionskapazität ein

Wie funktioniert Available-to-Promise (ATP)?

ATP berechnet aus mehreren Datenquellen des ERP-Systems eine zusagbare Menge. Grundlage ist der verfügbare Bestand – der physische Lagerbestand abzüglich gesperrter Mengen (Sperrbestand, Qualitätsprüfung) und bereits reservierter Ware. Hinzu kommen terminierte Zugänge: offene Bestellungen beim Lieferanten und laufende Fertigungsaufträge mit ihrem geplanten Zulaufdatum. Von dieser Summe zieht das System die bereits durch bestätigte Kundenaufträge gebundenen Bedarfe ab. Das Ergebnis ist die frei verfügbare, zusagbare Menge – und zwar bezogen auf einen konkreten Termin, nicht als statische Zahl.

Entscheidend ist die zeitliche Dimension. Ein Artikel kann heute nicht am Lager sein, aber durch einen in fünf Tagen eintreffenden Wareneingang zum Wunschtermin des Kunden dennoch verfügbar. ATP rechnet deshalb über eine Zeitachse und ordnet Zugänge und Bedarfe ihren jeweiligen Terminen zu. So kann das System auch dann eine verbindliche Zusage machen, wenn der Bestand aktuell null beträgt – gestützt auf einen fest eingeplanten Zulauf.

Die ATP-Formel und ihre Bestandteile

Vereinfacht gilt: ATP = verfügbarer Bestand + geplante Zugänge − offene Bedarfe. Der verfügbare Bestand ist der physische Bestand ohne Sperr- und Reservierungsmengen. Geplante Zugänge sind terminierte Bestellungen und Fertigungsaufträge. Offene Bedarfe sind die aus bestätigten Aufträgen bereits gebundenen Mengen. Weil jede dieser Größen an einem Datum hängt, ist ATP immer eine termingebundene Aussage. Manche Systeme führen zusätzlich einen kumulierten ATP-Wert, der über die Zeitachse fortgeschrieben wird und anzeigt, ab welchem Termin welche Restmenge noch frei ist.

Verfahren: diskret, kumulativ und ATP-Horizont

In der Praxis unterscheidet man das diskrete ATP, das die Verfügbarkeit für einzelne Zeitfenster (etwa Tage oder Wochen) ausweist, vom kumulativen ATP, das freie Mengen über künftige Perioden aufsummiert und so vorzieht. Ergänzend definiert ein ATP-Horizont, wie weit in die Zukunft geplante Zugänge überhaupt für Zusagen herangezogen werden dürfen. Diese Parameter steuern, wie aggressiv oder konservativ ein Unternehmen Liefertermine zusagt.

Warum Available-to-Promise (ATP) wichtig ist

Der zentrale Nutzen von ATP liegt in der Verlässlichkeit von Lieferzusagen. Nennt der Vertrieb einen Liefertermin auf Basis einer sauberen ATP-Prüfung, sinkt das Risiko, dass Aufträge storniert, verschoben oder in Teillieferungen zerlegt werden müssen. Das schützt die Kundenbeziehung und reduziert teure Nacharbeit in der Auftragsabwicklung. Gerade im E-Commerce, wo Verfügbarkeit und Lieferzeit unmittelbar über die Kaufentscheidung entscheiden, ist eine korrekte Verfügbarkeitszusage ein direkter Wettbewerbsfaktor.

ATP verhindert zudem den gefürchteten Überverkauf: das mehrfache Zusagen desselben Bestands über verschiedene Aufträge oder Vertriebskanäle hinweg. Wer über Shop, Marktplätze und den klassischen Vertrieb gleichzeitig verkauft, braucht eine kanalübergreifende ATP-Sicht, damit nicht drei Kunden dieselbe letzte Palette bestellen. Umgekehrt vermeidet ATP unnötig lange Standard-Lieferzeiten: Statt pauschal konservativ zu terminieren, nutzt das System auch geplante Zugänge und kann so früher liefern, als ein Blick auf den reinen Lagerbestand nahelegen würde.

Available-to-Promise (ATP) im ERP-System

Im ERP-System ist ATP kein isoliertes Modul, sondern eine Querschnittsfunktion, die Bestandsführung, Auftragsabwicklung, Beschaffung und – bei Herstellern – die Produktionsplanung verknüpft. Legt ein Bearbeiter eine Auftragsposition an, führt das System im Hintergrund die ATP-Prüfung durch und schlägt einen bestätigten Liefertermin oder eine mögliche Liefermenge vor. Bestätigt der Kunde, wird der Bestand reserviert und steht künftigen ATP-Berechnungen nicht mehr zur Verfügung.

Die Aussagekraft von ATP steht und fällt mit der Datenqualität. Falsche Lagerbestände, nicht gepflegte Wiederbeschaffungszeiten oder unrealistische Zulauftermine führen zu Zusagen, die der Betrieb nicht halten kann. Voraussetzung ist deshalb eine belastbare, möglichst in Echtzeit geführte Bestandsführung sowie eine saubere Verknüpfung mit offenen Bestellungen und Fertigungsaufträgen. In Multichannel-Szenarien kommt die Bestandssynchronisation hinzu: Alle Kanäle müssen auf dieselbe verfügbare Menge zugreifen, sonst entstehen genau die Doppelverkäufe, die ATP eigentlich verhindern soll.

ATP versus CTP (Capable-to-Promise)

ATP prüft gegen vorhandenen Bestand und bereits eingeplante Zugänge – es sagt also nur zu, was schon disponiert ist. Capable-to-Promise (CTP) geht einen Schritt weiter und bezieht freie Produktionskapazität sowie verfügbares Material ein: Ist ein Artikel weder am Lager noch bestellt, prüft CTP, ob er innerhalb der Wunschfrist noch gefertigt werden kann. CTP ist damit vor allem für Auftragsfertiger relevant, während reine Händler in der Regel mit ATP auskommen.

Abgrenzung: ATP vs. Lieferfähigkeit und Verfügbarkeit

ATP wird oft mit verwandten Begriffen vermischt. Der einfache verfügbare Bestand ist eine Momentaufnahme ohne Zeitbezug – er sagt, was jetzt frei ist, aber nichts über künftige Zugänge oder Bedarfe. Lieferfähigkeit beschreibt allgemeiner die Fähigkeit eines Unternehmens, Nachfrage aus Bestand zu bedienen, häufig als Kennzahl (Servicegrad) über einen Zeitraum. ATP dagegen ist die konkrete, termin- und auftragsbezogene Zusagegröße für eine einzelne Anfrage.

Ebenfalls abzugrenzen ist der reservierte Bestand: Sobald ATP eine Menge für einen bestätigten Auftrag zugesagt hat, wird diese reserviert und aus dem zusagbaren Pool entfernt. ATP ist also der Rechenschritt vor der Reservierung. Und der Sicherheitsbestand fließt indirekt ein: Viele Systeme rechnen ihn aus dem verfügbaren Bestand heraus, damit ATP nicht bis auf null zusagt und ein Puffer für kurzfristige Bedarfe erhalten bleibt.

ATP in der Praxis im DACH-Mittelstand

Im DACH-Mittelstand ist ATP längst nicht mehr auf Großunternehmen mit SAP-Umgebungen beschränkt. Auch schlanke Cloud-ERP- und Warenwirtschaftssysteme für Handel und E-Commerce bieten heute eine Verfügbarkeitsprüfung, die Bestand, offene Bestellungen und Reservierungen berücksichtigt. Der Reifegrad variiert allerdings stark: von einer simplen „verfügbar/nicht verfügbar"-Anzeige bis zur termingenauen, kanalübergreifenden ATP-Rechnung mit Zulaufberücksichtigung.

Für die Praxis entscheidend sind die Konfigurationsparameter: Welche Bestandsarten gelten als verfügbar, wie weit reicht der Planungshorizont für Zugänge, ab welchem Zeitpunkt gilt ein Wareneingang als sicher? Diese Einstellungen bestimmen, ob ATP eher optimistisch oder konservativ zusagt. Ein häufiger Fehler ist es, geplante Zugänge zu großzügig einzuplanen und dadurch Termine zuzusagen, die an verspäteten Lieferungen scheitern. Eine belastbare ATP-Konfiguration ist deshalb immer eine Abwägung zwischen maximaler Bestandsausnutzung und der Verlässlichkeit der Zusage.

Praxisbeispiel

ATP-Prüfung bei einem E-Commerce-Händler

Ein mittelständischer Onlinehändler verkauft eine beliebte Kaffeemaschine über den eigenen Shop und zwei Marktplätze. Physisch liegen 40 Stück am Lager, 25 davon sind bereits durch bestätigte Aufträge reserviert. In sechs Tagen trifft eine Lieferung über 100 Stück ein. Fragt nun ein Kunde 20 Stück zum morgigen Termin an, weist die ATP-Prüfung nur 15 Stück als sofort zusagbar aus (40 − 25). Für die restlichen fünf Stück verschiebt das System die Zusage auf den Wareneingangstermin in sechs Tagen.

Weil alle drei Kanäle auf dieselbe ATP-Berechnung zugreifen, kann derselbe Bestand nicht doppelt verkauft werden: Sobald der Shop-Auftrag bestätigt ist, sinkt die zusagbare Menge auch auf den Marktplätzen. Der Händler nennt so jederzeit realistische Liefertermine, nutzt den erwarteten Zulauf für frühere Zusagen und vermeidet Überverkäufe, ohne pauschal lange Lieferzeiten kommunizieren zu müssen.

Häufige Fragen

Der verfügbare Lagerbestand ist eine Momentaufnahme der aktuell freien Menge. ATP ist eine termingebundene Zusagegröße: Es berücksichtigt zusätzlich geplante Zugänge und bereits reservierte Bedarfe und beantwortet, welche Menge zu welchem Datum verbindlich zugesagt werden kann.
ATP sagt nur zu, was bereits am Lager oder fest disponiert ist. CTP prüft zusätzlich, ob ein Artikel bei fehlendem Bestand innerhalb der Frist noch produziert werden kann, indem es freie Kapazität und Material einbezieht. CTP ist vor allem für Auftragsfertiger relevant.
Alle Kanäle greifen auf dieselbe ATP-Berechnung und Bestandssynchronisation zu. Sobald ein Auftrag Bestand bindet, sinkt die zusagbare Menge in allen Kanälen. So kann dieselbe Ware nicht mehrfach an verschiedene Kunden verkauft werden.
Weil ATP bereits reservierte Bedarfe und oft einen Sicherheitsbestand herausrechnet. Ist der freie Anteil kleiner als die Anfrage, verschiebt das System die Zusage auf den nächsten geplanten Zugang, damit bestehende Aufträge nicht gefährdet werden.

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