Reporting & BIZuletzt geprüft: 2026-07-31

Kennzahlensystem

Ein Kennzahlensystem ist eine geordnete, sachlogisch oder rechnerisch miteinander verknüpfte Zusammenstellung mehrerer Kennzahlen, die gemeinsam einen Sachverhalt vollständiger abbilden und steuerbar machen, als es eine einzelne Kennzahl könnte.

Ein Kennzahlensystem ist eine geordnete Zusammenstellung mehrerer Kennzahlen, die in einer sachlichen oder rechnerischen Beziehung zueinander stehen und gemeinsam einen betriebswirtschaftlichen Sachverhalt umfassend abbilden. Statt eine einzelne Zahl isoliert zu betrachten, verbindet ein Kennzahlensystem mehrere Größen so miteinander, dass Ursachen, Wirkungen und Zusammenhänge sichtbar werden – etwa wie sich Umsatz, Kosten und Kapitaleinsatz zur Rentabilität verdichten. Ziel ist es, ein ausgewogenes, widerspruchsfreies Gesamtbild zu erzeugen, an dem sich ein Unternehmen oder ein Bereich steuern lässt.

Der entscheidende Mehrwert gegenüber einer losen Sammlung von Kennzahlen liegt in der Struktur: Ein Kennzahlensystem legt fest, welche Kennzahlen relevant sind, wie sie zusammenhängen und welcher Spitzenkennzahl sie untergeordnet sind. Dadurch lassen sich Abweichungen nicht nur feststellen, sondern bis zu ihrer Ursache zurückverfolgen. Kennzahlensysteme sind damit ein Kernwerkzeug von Controlling und Business Intelligence und bilden die Grundlage für Dashboards, Reportings und Managemententscheidungen.

Auf einen Blick

  • Kennzahlensystem = strukturierte Zusammenstellung mehrerer verknüpfter Kennzahlen
  • Verknüpfung ist rechnerisch (z. B. DuPont) oder sachlogisch (z. B. Balanced Scorecard)
  • Bildet einen Sachverhalt vollständiger und ausgewogener ab als eine Einzelkennzahl
  • Ermöglicht Ursachenanalyse per Drill-down von der Spitzenkennzahl nach unten
  • Datenbasis im Mittelstand ist meist das ERP-System bzw. ein angebundenes Data-Warehouse

Wie ein Kennzahlensystem aufgebaut ist

Ein Kennzahlensystem ordnet Kennzahlen in eine bewusste Beziehung. Fast immer gibt es eine Spitzenkennzahl, die das oberste Ziel abbildet – häufig eine Rentabilitäts- oder Erfolgsgröße –, und darunter mehrere Kennzahlen, die diese Spitze erklären. Aus einer flachen Liste von Zahlen wird so eine Hierarchie oder ein Netz, in dem jede Kennzahl ihren Platz und ihre Bedeutung für das Gesamtergebnis hat.

Rechen- und Ordnungssysteme

Man unterscheidet zwei Grundtypen. In einem Rechensystem sind die Kennzahlen mathematisch verknüpft: Die Spitzenkennzahl lässt sich lückenlos in ihre Bestandteile zerlegen, jede untergeordnete Kennzahl ist Teil einer Formel. In einem Ordnungssystem stehen die Kennzahlen dagegen in einem sachlogischen, nicht zwingend rechnerischen Zusammenhang – sie gehören thematisch zusammen und ergänzen sich, ohne dass eine feste Rechenbeziehung besteht. Viele praxisnahe Systeme mischen beide Prinzipien.

Spitzenkennzahl und Werttreiber

Die Logik eines Kennzahlensystems folgt oft der Frage „Wovon hängt der Erfolg ab?". Die Spitzenkennzahl wird in ihre Werttreiber aufgespalten, diese wiederum in feinere Größen, bis man bei operativ beeinflussbaren Kennzahlen ankommt. Dadurch entsteht ein durchgängiger Pfad von der strategischen Zielgröße bis zur konkreten Stellschraube im Tagesgeschäft – die Voraussetzung dafür, dass eine Abweichung an der Spitze bis zu ihrer Ursache nachverfolgt werden kann.

Bekannte Kennzahlensysteme

Das älteste und bekannteste Rechensystem ist das DuPont-Schema von 1919. Es zerlegt den Return on Investment (ROI) rechnerisch in Umsatzrendite und Kapitalumschlag und diese weiter in Umsatz, Kosten und Kapitalgrößen. Dadurch lässt sich exakt ablesen, ob eine sinkende Rentabilität aus der Marge oder aus einem zu hohen Kapitaleinsatz stammt. Verwandte Systeme wie das ZVEI-Kennzahlensystem oder das RL-Kennzahlensystem verfolgen einen ähnlichen, stärker ausdifferenzierten Ansatz.

Auf der Seite der Ordnungssysteme ist die Balanced Scorecard das prominenteste Beispiel. Sie ergänzt die rein finanzielle Sicht um die Perspektiven Kunde, interne Prozesse sowie Lernen und Entwicklung und verknüpft diese über Ursache-Wirkungs-Ketten mit der Strategie. Während das DuPont-Schema vergangene Finanzergebnisse erklärt, will die Balanced Scorecard die Faktoren steuern, die den künftigen Erfolg treiben. Beide Ansätze schließen sich nicht aus, sondern werden in der Praxis häufig kombiniert.

Nutzen: Warum ein Kennzahlensystem mehr leistet als Einzelkennzahlen

Eine einzelne Kennzahl kann in die Irre führen. Ein steigender Umsatz wirkt positiv, verschleiert aber womöglich eine schrumpfende Marge oder ein gefährlich anwachsendes Lager. Ein Kennzahlensystem beugt solchen Fehlschlüssen vor, weil es Kennzahlen im Verbund betrachtet und Zielkonflikte sichtbar macht: Wachstum wird gemeinsam mit Rentabilität, Liefergeschwindigkeit gemeinsam mit Kapitalbindung gelesen.

Der zweite große Nutzen ist die Ursachenanalyse. Weil die Kennzahlen strukturiert verknüpft sind, lässt sich eine Abweichung an der Spitze per Drill-down bis zur verantwortlichen Größe zurückverfolgen. Das verwandelt Reporting von einer reinen Dokumentation in ein Steuerungsinstrument: Man sieht nicht nur, dass ein Ziel verfehlt wird, sondern auch, warum. Voraussetzung ist allerdings eine durchgängig hohe Datenqualität – ein Kennzahlensystem ist immer nur so verlässlich wie die Daten, aus denen es gespeist wird.

Kennzahlensystem im ERP-System

Für mittelständische Unternehmen ist das ERP-System die natürliche Datenbasis eines Kennzahlensystems, weil dort Aufträge, Rechnungen, Bestände, Einkäufe und Stammdaten zusammenlaufen. Aus diesen operativen Daten lassen sich die untergeordneten Kennzahlen eines Systems – Lagerumschlag, Deckungsbeitrag, Auftragsdurchlaufzeit, offene Posten – direkt und ohne manuelle Sammelarbeit ableiten und zur Spitzenkennzahl verdichten.

Viele ERP-Systeme bringen dafür Dashboards und Reporting-Funktionen mit, die verknüpfte Kennzahlen in nahezu Echtzeit darstellen. Sobald ein Kennzahlensystem jedoch mehrere Quellen einbezieht – etwa ERP, Shop, Marktplatz und Finanzbuchhaltung – oder lange Historien und komplexe Verdichtungen erfordert, werden die Daten meist über eine Schnittstelle in ein Data-Warehouse überführt und dort mit BI- oder OLAP-Werkzeugen aufbereitet. Entscheidend ist in beiden Fällen eine einheitliche Kennzahlendefinition: Nur wenn alle Bereiche eine Größe identisch berechnen, bleibt das System widerspruchsfrei und vergleichbar.

Abgrenzung: Kennzahlensystem, Kennzahl und KPI

Eine Kennzahl ist eine einzelne, verdichtete Messgröße; ein KPI ist eine besonders steuerungsrelevante Kennzahl, die an ein Ziel gekoppelt ist. Ein Kennzahlensystem ist die Ebene darüber: die geordnete Menge mehrerer Kennzahlen samt ihrer Beziehungen. Es kann sowohl KPIs als auch erklärende Neben- und Hilfskennzahlen enthalten und macht deren Zusammenspiel explizit.

Kennzahlensystem vs. Dashboard

Ein Dashboard ist die visuelle Darstellung von Kennzahlen, ein Kennzahlensystem ist die inhaltliche Logik dahinter. Ein gutes Dashboard bildet ein Kennzahlensystem ab – es zeigt die Spitzenkennzahl und lässt per Drill-down in die erklärenden Größen springen. Ohne ein durchdachtes Kennzahlensystem bleibt ein Dashboard jedoch eine hübsche, aber beliebige Zahlensammlung ohne inneren Zusammenhang.

Praxisbeispiel

Kennzahlensystem bei einem Handelsunternehmen

Ein mittelständischer Großhändler will seine Kapitalrendite verbessern und baut dafür ein Kennzahlensystem nach dem DuPont-Prinzip auf. An der Spitze steht der ROI, der sich in Umsatzrendite und Kapitalumschlag aufteilt. Die Umsatzrendite wird weiter in Umsatz, Wareneinsatz und Betriebskosten zerlegt, der Kapitalumschlag in Umsatz und gebundenes Kapital, zu dem vor allem der Lagerbestand zählt. Alle Größen stammen aus dem ERP-System.

Als der ROI im Quartal sinkt, zeigt der Drill-down, dass nicht die Marge das Problem ist, sondern der Kapitalumschlag: Der Lagerbestand ist bei mehreren langsam drehenden Artikeln stark gestiegen. Weil das Kennzahlensystem die Zusammenhänge offenlegt, steuert das Unternehmen gezielt über die Disposition dieser Artikel gegen – statt pauschal die Kosten zu drücken und damit an der falschen Stelle anzusetzen.

Häufige Fragen

Eine Kennzahl ist eine einzelne verdichtete Messgröße. Ein Kennzahlensystem ist eine geordnete Menge mehrerer Kennzahlen, die rechnerisch oder sachlogisch miteinander verknüpft sind. Erst diese Verknüpfung macht Zusammenhänge und Ursachen sichtbar und liefert ein ausgewogenes Gesamtbild.
In einem Rechensystem sind die Kennzahlen mathematisch verknüpft – die Spitzenkennzahl lässt sich lückenlos in ihre Bestandteile zerlegen, wie beim DuPont-Schema. In einem Ordnungssystem stehen die Kennzahlen in einem sachlogischen, nicht zwingend rechnerischen Zusammenhang, wie bei der Balanced Scorecard.
Am bekanntesten sind das DuPont-Kennzahlensystem, das den ROI rechnerisch zerlegt, sowie das ZVEI- und das RL-System als verwandte Rechensysteme. Als Ordnungssystem ist die Balanced Scorecard am verbreitetsten, die finanzielle und nicht-finanzielle Perspektiven mit der Strategie verknüpft.
Meist aus dem ERP-System, in dem Aufträge, Rechnungen, Bestände und Stammdaten zusammenlaufen. Für Auswertungen über mehrere Quellen werden die Daten häufig in ein Data-Warehouse überführt. Entscheidend ist eine einheitliche Kennzahlendefinition und eine hohe Datenqualität.

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