DACH-Compliance & RechtZuletzt geprüft: 2026-07-30

BMD (Österreich)

BMD (Österreich) ist eine weit verbreitete österreichische Buchhaltungs-, Lohn- und ERP-Software des BMD Systemhaus in Steyr. Im DACH-Raum gilt sie als das österreichische Pendant zu DATEV – der De-facto-Standard für die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Steuerberatern.

BMD (Österreich) ist eine österreichische Softwarefamilie für Buchhaltung, Lohnverrechnung und Warenwirtschaft, entwickelt vom BMD Systemhaus mit Sitz in Steyr (Oberösterreich). In der österreichischen Steuerberatungs- und KMU-Welt nimmt BMD eine ähnliche Rolle ein wie DATEV in Deutschland: Ein sehr großer Teil der Wirtschaftstreuhänder und Steuerberater arbeitet mit BMD, weshalb der Datenaustausch zwischen dem ERP eines Unternehmens und der Kanzlei fast zwangsläufig über ein BMD-Format läuft.

Im engeren Sinn meint „BMD" heute das Produkt BMD NTCS – eine integrierte Business-Software, die Finanzbuchhaltung, Kostenrechnung, Anlagenbuchhaltung, Lohn- und Gehaltsverrechnung, ERP/Warenwirtschaft, CRM und Zeiterfassung in einer Datenbank vereint. Im ERP-Alltag begegnet der Begriff „BMD" den meisten Anwendern aber vor allem als Schnittstelle: als BMD-Export, über den ein Shop-, Warenwirtschafts- oder ERP-System seine Belege buchungsfertig an die Steuerkanzlei übergibt.

Auf einen Blick

  • Österreichische Buchhaltungs- und ERP-Software aus Steyr (BMD Systemhaus)
  • Faktischer Standard bei österreichischen Steuerberatern – das DATEV-Pendant
  • Flaggschiff BMD NTCS: FiBu, Lohn, Anlagen, ERP und CRM in einer Plattform
  • BMD-Schnittstelle als üblicher Weg, Buchungsdaten an die Kanzlei zu übergeben
  • Auf österreichisches Recht ausgelegt: UVA, FinanzOnline, RKSV, ebInterface

Wie BMD (Österreich) aufgebaut ist

BMD ist modular aufgebaut: Unternehmen und Kanzleien lizenzieren nur die Bereiche, die sie benötigen, arbeiten dabei aber auf einer gemeinsamen Datenbasis. Das reicht von der reinen Finanzbuchhaltung über die Kostenrechnung, Anlagenbuchhaltung und die österreichische Lohnverrechnung bis zu vollwertiger Warenwirtschaft, Fakturierung, Produktion und CRM. Genau diese Integration – Buchhaltung und ERP-Funktionen ohne Systembruch – unterscheidet BMD von reinen Buchhaltungspaketen.

BMD NTCS als integrierte Plattform

BMD NTCS ist die zentrale Produktlinie. In Steuerkanzleien deckt sie den kompletten Mandantenprozess ab – von der Belegerfassung über Buchhaltung und Lohn bis zu Jahresabschluss, Bilanz und Steuererklärung. In Unternehmen kann NTCS zusätzlich als ERP-System genutzt werden, sodass Aufträge, Lager und Rechnungen direkt in derselben Umgebung wie die Finanzbuchhaltung entstehen. Die starke Mandantenfähigkeit ist dabei kein Zufall, sondern eine Kernanforderung von Kanzleien, die hunderte Mandanten parallel betreuen.

Kontenrahmen und Datenmodell

BMD bringt eigene Standardkontenrahmen auf Basis des österreichischen Einheitskontenrahmens (EKR) mit – nicht die deutschen SKR-03/SKR-04-Schemata. Buchungen werden als klassische Buchungssätze (Soll/Haben) auf Sachkonten geführt, ergänzt um Debitoren und Kreditoren als Nebenbuch. Für die Übergabe von Fremdsystemen definiert BMD ein festes Import-/Exportformat, das Konten, Steuercodes, Beträge, Belegdaten und Buchungstexte in einer strukturierten Datei transportiert.

BMD im ERP-System: die BMD-Schnittstelle

Für Anwender eines ERP- oder Shopsystems ist BMD meist keine eigene Software, sondern ein Ausgabeformat. Weil die betreuende Kanzlei mit BMD arbeitet, muss das ERP seine Ausgangs- und Eingangsrechnungen sowie Zahlungen in einer Form bereitstellen, die BMD einlesen kann. Diesen Datenexport nennt man BMD-Schnittstelle oder BMD-Export. Er ist in Österreich das Gegenstück zum DATEV-Export in Deutschland und bei vielen ERP-Systemen als fertige Funktion oder Add-on vorhanden.

Praktisch werden dabei aus dem ERP fertige Buchungssätze erzeugt: je Beleg das Erlös- oder Aufwandskonto, das Personenkonto (Debitor/Kreditor), der passende Steuercode für die Umsatzsteuer, Belegnummer, -datum und Buchungstext. Die Kanzlei importiert diese Datei nach BMD, ohne jeden Beleg manuell nachzubuchen. Voraussetzung ist ein sauberes Konten- und Steuer-Mapping: Die ERP-seitigen Erlöskonten und Steuerschlüssel müssen exakt auf die BMD-Sachkonten und -Steuercodes des Mandanten abgebildet sein.

Was ein BMD-Export enthält

Ein typischer BMD-Export umfasst die Bewegungsdaten einer Periode – also die Buchungszeilen – und optional Stammdaten wie neue Debitoren oder Kreditoren. Fehlen im ERP korrekte Kontenzuordnungen oder Steuercodes, landen Belege im Fehlerprotokoll und müssen manuell nachbearbeitet werden. Ein gut eingerichtetes Feld-Mapping zwischen ERP und BMD ist deshalb entscheidend dafür, dass der Export ohne Nacharbeit durchläuft.

Abgrenzung: BMD vs. DATEV und Buchhaltung

BMD und DATEV lösen dasselbe Grundproblem – die medienbruchfreie Übergabe von Buchungsdaten an den Steuerberater –, sind aber getrennte Ökosysteme mit eigenen Formaten und Kontenrahmen. DATEV ist in Deutschland verbreitet und arbeitet mit SKR-03/SKR-04, BMD dominiert in Österreich und nutzt den EKR. Ein deutsches Unternehmen mit deutscher Kanzlei benötigt in aller Regel einen DATEV-Export, ein österreichisches mit österreichischer Kanzlei einen BMD-Export. Wer grenzüberschreitend tätig ist, muss unter Umständen beide Formate bedienen.

Wichtig ist außerdem die Abgrenzung zur Buchhaltung selbst: BMD ist die Software beziehungsweise das Austauschformat, nicht die Buchhaltung als Tätigkeit. Der BMD-Export ersetzt keine ordnungsmäßige Buchführung, sondern liefert nur die Daten dafür. Ob die Konten und Steuercodes richtig gesetzt sind, verantwortet das Unternehmen gemeinsam mit der Kanzlei – die Software transportiert lediglich, was das ERP vorgibt.

Warum BMD (Österreich) für ERP-Projekte wichtig ist

Für die ERP-Auswahl in Österreich ist die BMD-Anbindung ein sehr konkretes Kriterium. Arbeitet die Steuerkanzlei mit BMD – was statistisch häufig der Fall ist –, sollte das neue ERP-System einen verlässlichen BMD-Export mitbringen oder über eine Schnittstelle anbinden können. Fehlt diese Funktion, drohen manuelle Übertragung, doppelte Erfassung und Fehlerquellen bei der monatlichen Umsatzsteuervoranmeldung.

Der Nutzen einer sauberen BMD-Integration ist damit direkt messbar: weniger manueller Buchungsaufwand, schnellere Monatsabschlüsse, geringere Fehlerquote und eine reibungslose Zusammenarbeit mit der Kanzlei. Gerade im Handel und E-Commerce, wo täglich viele Belege entstehen, entscheidet die Automatisierung dieser Übergabe erheblich über die Effizienz der Finanzprozesse. Deshalb wird die BMD-Fähigkeit oft schon im Lastenheft als Muss-Anforderung verankert.

DACH-Besonderheiten und österreichisches Recht

BMD ist konsequent auf das österreichische Recht ausgelegt und deckt Anforderungen ab, die deutsche Systeme nicht kennen. Dazu zählen die Umsatzsteuervoranmeldung (UVA) und deren elektronische Übermittlung über FinanzOnline, die Vorgaben der Registrierkassensicherheitsverordnung (RKSV) für Bareinnahmen sowie die elektronische Rechnung an den Bund über ebInterface und Peppol. Für Unternehmen, die in Österreich buchhaltungspflichtig sind, ist diese lokale Ausrichtung ein wesentlicher Grund für die Verbreitung.

Für international agierende Firmen ist die Konsequenz klar: Ein ERP-System, das den DACH-Raum ernst nimmt, sollte sowohl das deutsche DATEV- als auch das österreichische BMD-Format unterstützen und die jeweils passenden Steuercodes und Kontenrahmen abbilden. Die konkrete Beurteilung der steuerlichen Korrektheit bleibt jedoch immer Sache der Steuerberatung – BMD liefert die Werkzeuge, nicht die steuerliche Verantwortung.

Praxisbeispiel

Praxis: Wiener Onlinehändler übergibt an die BMD-Kanzlei

Ein Onlinehändler aus Wien verkauft über einen Webshop und einen Marktplatz und wickelt seine Aufträge in einem ERP-System ab. Rechnungen entstehen dort automatisch. Weil die betreuende Steuerkanzlei mit BMD NTCS arbeitet, richtet das Unternehmen im ERP einen BMD-Export ein: Jedes Erlöskonto und jeder Steuersatz wird einmalig auf die passenden BMD-Sachkonten und -Steuercodes gemappt.

Am Monatsende erzeugt das ERP eine BMD-Exportdatei mit allen Ausgangsrechnungen und Zahlungseingängen. Die Kanzlei liest sie ein, ohne jeden Beleg einzeln zu erfassen, und erstellt daraus die Umsatzsteuervoranmeldung für FinanzOnline. Statt tagelanger Nacherfassung dauert die Übergabe nur Minuten – vorausgesetzt, das Mapping stimmt und keine neuen, unzugeordneten Konten hinzugekommen sind.

Häufige Fragen

Beide sind Software-Ökosysteme für die Zusammenarbeit mit dem Steuerberater. DATEV ist in Deutschland Standard und nutzt SKR-03/SKR-04, BMD dominiert in Österreich und arbeitet mit dem Einheitskontenrahmen. Formate und Kontenrahmen sind nicht kompatibel.
Nicht das Unternehmen selbst, aber meist die Kanzlei. Arbeitet der Steuerberater mit BMD, sollte das ERP einen BMD-Export liefern. Ohne ihn müssen Belege manuell übertragen werden, was Aufwand und Fehlerquellen erhöht.
Sie erzeugt aus den Belegen des ERP fertige Buchungssätze mit Konto, Personenkonto, Steuercode und Belegdaten in einer Datei, die BMD einlesen kann. So gelangen die Buchungen ohne doppelte Erfassung in die Kanzlei.
Ja. BMD NTCS enthält neben Buchhaltung und Lohn auch Warenwirtschaft, Fakturierung, Produktion und CRM. Unternehmen können es daher als integriertes ERP nutzen, in dem Aufträge und Finanzbuchhaltung in einer Datenbank zusammenlaufen.

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