Stammdaten & DatenZuletzt geprüft: 2026-07-31

eCl@ss (Klassifizierung)

Die eCl@ss (Klassifizierung) ist ein internationaler Industriestandard, der Produkte und Dienstleistungen über einen vierstufigen Klassenschlüssel und standardisierte Merkmale eindeutig beschreibt und so den Datenaustausch zwischen Unternehmen vereinheitlicht.

Die eCl@ss (Klassifizierung) ist ein branchenübergreifender, internationaler Standard zur einheitlichen Beschreibung von Produkten und Dienstleistungen. Kern des Standards sind ein vierstufiger, hierarchischer Klassenschlüssel und ein umfangreicher Katalog standardisierter Merkmale (Eigenschaften) mit definierten Werten und Einheiten. Statt Produkte nur mit freien Texten und uneinheitlichen Attributen zu erfassen, ordnen Unternehmen jeden Artikel einer eindeutigen eCl@ss-Klasse zu und beschreiben ihn über genormte Merkmalsätze – maschinenlesbar, sprachneutral und unternehmensübergreifend interpretierbar.

Getragen wird der Standard vom eCl@ss e. V. mit Sitz in Köln, einem Konsortium aus Industrie, Handel und Verbänden. eCl@ss ist damit ein sogenannter Klassifizierungs- oder Content-Standard: Er legt nicht das Übertragungsformat fest (wie EDI oder EDIFACT), sondern das gemeinsame Vokabular, mit dem Produktdaten inhaltlich strukturiert werden. In der Praxis ist eCl@ss vor allem im technischen B2B-Handel, in der Industrie, im Anlagenbau und in der Beschaffung verbreitet.

Auf einen Blick

  • Internationaler Klassifizierungsstandard für Produkte und Dienstleistungen, getragen vom eCl@ss e. V.
  • Vierstufiger Klassenschlüssel (Sachgebiet, Hauptgruppe, Gruppe, Untergruppe) plus genormte Merkmale
  • Sprachneutrale, maschinenlesbare Produktbeschreibung über eindeutige IRDIs
  • Verbreitet in technischem B2B-Handel, Industrie, Beschaffung und elektronischen Katalogen
  • Content-Standard – ergänzt Austauschformate wie BMEcat, EDI oder Marktplatz-Feeds

Wie ist die eCl@ss (Klassifizierung) aufgebaut?

Der Standard besteht aus zwei zentralen Bausteilen: der Klassenhierarchie und dem Merkmalmodell. Die Klassenhierarchie ordnet jedes Produkt einem eindeutigen achtstelligen Klassenschlüssel zu, der aus vier zweistelligen Ebenen aufgebaut ist. Die erste Ebene bildet das Sachgebiet, darunter folgen Hauptgruppe, Gruppe und Untergruppe. Ein Beispiel: Der Schlüssel führt von „Elektrotechnik" über „Kabel/Leitung" bis zur konkreten Untergruppe eines Produkttyps. Diese eindeutige Nummer macht Artikel unabhängig von Sprache und Warenbezeichnung identifizierbar.

Der zweite Baustein sind die Merkmale. Jeder Klasse ist ein Satz genormter Eigenschaften zugeordnet – etwa Nennspannung, Länge, Material oder Schutzart – jeweils mit definierter Einheit und teils vorgegebenen Werteauswahllisten. So ist festgelegt, wie ein Merkmal heißt, welche Einheit gilt und welche Werte zulässig sind. Diese Standardisierung verhindert Missverständnisse, etwa unterschiedliche Schreibweisen oder Einheiten für dieselbe Eigenschaft.

IRDI: die eindeutige Kennung

Jede Klasse und jedes Merkmal erhält eine international eindeutige Kennung, den IRDI (International Registration Data Identifier) nach ISO/IEC 11179. Über diese ID lässt sich ein Merkmal system- und sprachübergreifend eindeutig referenzieren – „Länge" auf Deutsch und „length" auf Englisch verweisen auf dieselbe IRDI. Das ist die technische Grundlage dafür, dass zwei Unternehmen ihre Produktdaten ohne manuelle Zuordnung verstehen.

Advanced und BASIC: die zwei Ausprägungen

eCl@ss wird in zwei Ausprägungen gepflegt. eCl@ss BASIC bildet die reine Klassenhierarchie mit Merkmalen ab und eignet sich für Katalogisierung und Suche. eCl@ss ADVANCED geht deutlich weiter: Es beschreibt Produkte über strukturierte Merkmalleisten, Blöcke, Polykataloge und Aspekte und erlaubt so eine tiefe, formalisierte Produktmodellierung – wichtig etwa für konfigurierbare technische Produkte oder die Anbindung an digitale Zwillinge.

Der Standard wird in regelmäßigen Releases weiterentwickelt; neue Klassen und Merkmale kommen hinzu, veraltete werden angepasst. Für Unternehmen bedeutet das, dass sie sich auf eine bestimmte eCl@ss-Version beziehen und Release-Wechsel planen sollten, damit Klassifizierungen konsistent bleiben. Ein unbedachter Versionssprung kann sonst dazu führen, dass Klassenschlüssel oder Merkmalzuordnungen nicht mehr zu bereits ausgelieferten Katalogen passen.

Nutzen und Relevanz der eCl@ss (Klassifizierung)

Der Hauptnutzen liegt in der Datenqualität und Interoperabilität. Wenn Hersteller, Händler und Einkäufer dieselbe Klassifizierung und dieselben Merkmale verwenden, lassen sich Produktdaten ohne manuelle Übersetzung austauschen, vergleichen und automatisiert verarbeiten. Das reduziert Fehler, beschleunigt Katalogpflege und macht Sortimente über Systemgrenzen hinweg durchsuchbar.

Für die Beschaffung ist eCl@ss besonders wertvoll: Einkaufsorganisationen können Ausgaben nach Warengruppen analysieren (Spend Analysis), Lieferantenkataloge vereinheitlichen und elektronische Bestellprozesse standardisieren. Im Handel verbessert eine saubere Klassifizierung die Produktsuche, Filterung und den Datentransfer an Marktplätze und Portale. Auch für die Datenqualität in Stammdatensystemen ist eCl@ss ein Anker: Es zwingt zu strukturierter, vollständiger Attribuierung statt zu Freitextchaos.

Zunehmend relevant ist eCl@ss zudem im Kontext von Industrie 4.0 und der Verwaltungsschale (Asset Administration Shell): Standardisierte Merkmale mit eindeutigen IRDIs bilden die semantische Grundlage, damit Maschinen und Systeme Produktmerkmale automatisiert interpretieren können. Wer heute konsequent klassifiziert, schafft damit die Voraussetzung für spätere Automatisierung und digitale Zwillinge – ein strategischer Nebeneffekt, der über die reine Katalogpflege hinausgeht.

eCl@ss (Klassifizierung) im ERP- und PIM-System

Im ERP-System berührt eCl@ss primär den Artikelstamm und die Produktdatenpflege. Artikel erhalten neben der internen Artikelnummer ein eCl@ss-Klassifizierungsmerkmal und werden über die genormten Merkmale beschrieben. Manche ERP-Systeme bieten Felder oder Zusatzmodule für Klassifizierungssysteme; häufig übernimmt aber ein vorgelagertes PIM (Product Information Management) die eigentliche Merkmalpflege und liefert die klassifizierten Daten an ERP, Shop und Kataloge.

Praktisch stellt sich immer die Frage, wo die klassifizierten Merkmale die führende Datenquelle sind. Bei vielen technischen Artikeln liegt diese Hoheit im PIM, während das ERP die kaufmännisch relevanten Felder wie Preise, Bestände und Einheiten führt. Eine saubere Abgrenzung, welches System welches Feld besitzt, verhindert widersprüchliche Produktdaten und ist Voraussetzung dafür, dass die eCl@ss-Klassifizierung über alle Kanäle konsistent bleibt.

Zusammenspiel mit Austauschformaten

eCl@ss definiert die Inhalte, nicht das Transportformat. Für den tatsächlichen Datenaustausch werden klassifizierte Produktdaten meist über Katalogformate wie BMEcat oder über EDI/EDIFACT-Nachrichten und moderne APIs übertragen. eCl@ss und diese Formate ergänzen sich also: Das Format transportiert die Nachricht, eCl@ss sorgt dafür, dass Sender und Empfänger dieselbe Sprache für Klassen und Merkmale sprechen.

Abgrenzung: eCl@ss vs. verwandte Standards

eCl@ss ist nicht der einzige Klassifizierungsstandard. Ein bekanntes Gegenstück ist ETIM, das vor allem in der Elektro-, Sanitär-, Heizungs- und Klimabranche verbreitet ist. UNSPSC ist ein weiterer internationaler Warengruppenschlüssel, der stärker auf Beschaffung und Ausgabenanalyse zielt, aber weniger tiefe Merkmalmodelle als eCl@ss ADVANCED bietet. Welcher Standard passt, hängt von Branche und Handelspartnern ab – in Teilen der DACH-Industrie ist eCl@ss faktischer Marktstandard.

Wichtig ist außerdem die Abgrenzung zu Produktidentifikatoren wie GTIN/EAN. Diese identifizieren ein konkretes Handelsartikel-Exemplar eindeutig, sagen aber nichts über dessen Eigenschaften aus. eCl@ss klassifiziert dagegen den Produkttyp und beschreibt seine Merkmale. Beide ergänzen sich: Die GTIN sagt „welcher Artikel", eCl@ss sagt „was für ein Artikel mit welchen Eigenschaften".

Praxisbeispiel

Klassifizierter Elektro-Großhandelskatalog

Ein mittelständischer Elektrogroßhändler pflegt rund 40.000 Artikel und beliefert Industriekunden, die per elektronischer Beschaffung bestellen. Bislang lagen die Produktdaten in uneinheitlichen Freitextfeldern vor, was Fehler bei der Suche und beim Katalogimport verursachte. Der Händler klassifiziert sein Sortiment nach eCl@ss: Jeder Artikel erhält einen eCl@ss-Klassenschlüssel und wird über genormte Merkmale wie Nennspannung, Länge und Schutzart beschrieben.

Die klassifizierten Daten werden im PIM gepflegt, an das ERP zurückgespielt und als BMEcat-Katalog an die Einkaufssysteme der Kunden ausgeliefert. Ergebnis: Kunden finden Artikel über einheitliche Filter, Katalogimporte laufen ohne Nacharbeit, und der Händler kann sein Sortiment ohne Mehraufwand auch an Marktplätze und Portale übergeben, die eCl@ss erwarten.

Häufige Fragen

Der Klassenschlüssel ist eine achtstellige Nummer aus vier zweistelligen Ebenen: Sachgebiet, Hauptgruppe, Gruppe und Untergruppe. Er ordnet jedes Produkt eindeutig einer Klasse zu, unabhängig von Sprache und Artikelbezeichnung. Jeder Klasse sind zusätzlich genormte Merkmale zugeordnet.
BASIC bildet die Klassenhierarchie mit Merkmalen für Katalogisierung und Suche ab. ADVANCED ergänzt strukturierte Merkmalleisten, Blöcke und Aspekte für eine tiefere, formalisierte Produktmodellierung – etwa bei konfigurierbaren technischen Produkten oder digitalen Zwillingen.
Nein. Alle drei sind Klassifizierungsstandards, adressieren aber unterschiedliche Schwerpunkte. eCl@ss ist branchenübergreifend und merkmalstark, ETIM ist auf Elektro/Sanitär/Heizung/Klima fokussiert, UNSPSC zielt stärker auf Warengruppen und Ausgabenanalyse. Die Wahl hängt von Branche und Handelspartnern ab.
Kleine Sortimente lassen sich im ERP-Artikelstamm klassifizieren. Bei vielen Artikeln und tiefen Merkmalen ist ein PIM sinnvoller, weil es die Merkmalpflege effizienter unterstützt und klassifizierte Daten an ERP, Shop, Kataloge und Marktplätze verteilt.

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