Warenwirtschaft & BestandZuletzt geprüft: 2026-07-31

Gleitender Durchschnittspreis

Der Gleitende Durchschnittspreis ist ein Verfahren der Bestandsbewertung, bei dem der Einstandspreis eines Artikels nach jedem Wareneingang neu als mengengewichteter Mittelwert aus altem Bestand und Zugang berechnet wird.

Der Gleitende Durchschnittspreis ist ein Verfahren zur Bewertung von Lagerbeständen, bei dem der Einstandspreis eines Artikels nach jedem Wareneingang neu ermittelt wird – als mengengewichteter Mittelwert aus dem Wert des vorhandenen Bestands und dem Wert des neuen Zugangs. Jeder Warenausgang wird anschließend zu diesem aktuellen Durchschnittspreis bewertet, bis der nächste Zugang den Wert erneut verschiebt. Dadurch „gleitet" der Preis über die Zeit und glättet Schwankungen der Einkaufspreise.

Anders als Verbrauchsfolgeverfahren wie FIFO oder LIFO, die einzelne Zugangsschichten getrennt weiterführen, arbeitet der Gleitende Durchschnittspreis mit einem einzigen, laufend fortgeschriebenen Wert je Artikel. Er wird in ERP- und Warenwirtschaftssystemen sehr häufig als Standard-Bewertungsmethode genutzt, weil er ohne Schichtverwaltung auskommt und zu jedem Zeitpunkt einen realistischen, aktuellen Bestandswert liefert.

Auf einen Blick

  • Mengengewichteter Mittelwert aus Altbestand und Zugang
  • Neuberechnung bei jedem Wareneingang, nicht bei Ausgängen
  • Ein einziger laufender Wert pro Artikel – keine Schichten wie bei FIFO
  • Glättet Einkaufspreisschwankungen und liefert stets einen aktuellen Bestandswert
  • ERP-Standardmethode; im HGB als Durchschnittsbewertung anerkannt

Wie der Gleitende Durchschnittspreis berechnet wird

Die Grundformel ist einfach: Der neue Durchschnittspreis ergibt sich aus dem Gesamtwert des Bestands nach einem Zugang geteilt durch die Gesamtmenge nach dem Zugang. Formal: (Wert Altbestand + Wert Zugang) ÷ (Menge Altbestand + Menge Zugang). Der Wert des Altbestands ist dabei Menge × bisheriger Durchschnittspreis, der Wert des Zugangs ist die zugegangene Menge × tatsächlicher Einstandspreis der neuen Lieferung.

Entscheidend ist der Zeitpunkt der Neuberechnung: Der Preis wird ausschließlich bei Zugängen aktualisiert. Warenausgänge – Verkäufe, Verbräuche, Umlagerungen – reduzieren die Menge, verändern aber den gültigen Durchschnittspreis nicht. Sie werden zum jeweils aktuellen Durchschnittspreis abgebucht. Erst der nächste Wareneingang mit abweichendem Einkaufspreis verschiebt den Wert wieder.

Was in den Einstandspreis einfließt

In den bewertungsrelevanten Zugangspreis gehören nicht nur der reine Warenwert, sondern auch die Anschaffungsnebenkosten: Fracht, Zoll, Versicherung und ähnliche direkt zurechenbare Beschaffungskosten. Erhaltene Rabatte, Skonti und Boni mindern den Einstandspreis. Wie sauber diese Bestandteile erfasst werden, entscheidet über die Genauigkeit der gesamten Bestandsbewertung.

Warum der Gleitende Durchschnittspreis wichtig ist

Der Bestandswert ist eine zentrale Größe: Er fließt in die Bilanz ein, bestimmt die Höhe des Umlaufvermögens und ist Grundlage für die Berechnung von Wareneinsatz, Deckungsbeitrag und Kostenkalkulation. Ein Verfahren, das diesen Wert bei jeder Lieferung realistisch fortschreibt, sorgt für aktuelle und nachvollziehbare Zahlen – ohne dass am Periodenende aufwendig einzelne Preisschichten abgewickelt werden müssen.

Gerade bei volatilen Einkaufspreisen glättet die Durchschnittsbildung kurzfristige Ausreißer. Steigt der Beschaffungspreis, wirkt sich das nur anteilig auf den Bestandswert aus, statt sofort mit voller Wucht durchzuschlagen. Für Handel und Fertigung liefert das eine stabile Basis für die Preiskalkulation, weil der Wareneinsatz nicht bei jedem Einkauf sprunghaft schwankt.

Zugleich ist das Verfahren revisionsfreundlich: Weil jeder Zugang und jede Preisberechnung im System protokolliert werden, lässt sich die Wertentwicklung eines Artikels lückenlos nachvollziehen – ein Vorteil bei Inventur und Prüfung.

Gleitender Durchschnittspreis im ERP-System

In ERP- und Warenwirtschaftssystemen ist der Gleitende Durchschnittspreis meist als Bewertungsmethode je Artikel oder Bewertungsbereich hinterlegt. Bei jedem gebuchten Wareneingang rechnet das System den neuen Durchschnittspreis automatisch und schreibt ihn in den Artikelstamm fort; jeder Warenausgang wird mit diesem Wert bewertet und erzeugt die passenden Buchungssätze für den Wareneinsatz. Die Bestandsbewertung läuft dadurch permanent und ohne manuelle Nacharbeit.

Voraussetzung für korrekte Werte ist saubere Datenpflege: Zugangsmengen, Einstandspreise und Nebenkosten müssen zeitnah und richtig gebucht werden. Nachträgliche Rechnungskorrekturen, Rücklieferungen oder falsch erfasste Mengen können den Durchschnitt verfälschen. Viele Systeme bieten deshalb Korrektur- und Neubewertungsläufe, um den Wert nachträglich zu bereinigen.

Zusammenspiel mit Bestandsführung und Buchhaltung

Der Durchschnittspreis verbindet Warenwirtschaft und Finanzbuchhaltung: Die mengenmäßige Bestandsführung liefert die Bewegungen, das Bewertungsverfahren macht daraus Werte, die in Bestandskonten und in die Gewinn-und-Verlust-Rechnung fließen. In vielen Systemen lässt sich die Methode pro Mandant oder Lager konfigurieren, sodass unterschiedliche Bewertungslogiken parallel geführt werden können.

Abgrenzung: Gleitender Durchschnittspreis vs. FIFO und Periodendurchschnitt

FIFO („First in, first out") unterstellt, dass die zuerst eingelagerten Waren zuerst verbraucht werden, und bewertet Abgänge mit den Preisen der ältesten Schichten. Der Gleitende Durchschnittspreis verzichtet auf diese Schichtenlogik und führt stattdessen einen einzigen Mischwert. In Zeiten steigender Preise weist FIFO tendenziell einen höheren Endbestand aus, während der Durchschnitt einen mittleren Wert zeigt.

Vom periodischen Durchschnittspreis (Durchschnitt am Periodenende über alle Zugänge) unterscheidet sich das gleitende Verfahren durch den Zeitpunkt: Der gleitende Durchschnitt wird laufend nach jedem Zugang neu gebildet und ist damit jederzeit aktuell, während der periodische erst zum Stichtag feststeht. LIFO („Last in, first out") schließlich bewertet Abgänge mit den jüngsten Preisen und ist im deutschen Handelsrecht nur eingeschränkt zulässig.

Welche Methode passt, hängt von Branche und Zielsetzung ab. Wer stabile, gut kalkulierbare Wareneinsatzwerte braucht und mit häufig schwankenden Einkaufspreisen arbeitet, fährt mit dem Gleitenden Durchschnittspreis oft besser. Wer dagegen physische Verbrauchsfolgen bei verderblicher Ware oder Chargen streng abbilden will, greift eher zu FIFO. In der Praxis ist die Durchschnittsbewertung wegen ihrer Einfachheit und der permanenten Aktualität der Standardfall in vielen ERP-Installationen.

DACH-Besonderheiten und Bewertungsrecht

Das deutsche Handelsrecht (HGB § 240 Abs. 4 und § 256) erlaubt für gleichartige Vorräte ausdrücklich die Bewertung zu einem gewogenen Durchschnitt – der Gleitende Durchschnittspreis ist damit eine handelsrechtlich anerkannte Methode. Zu beachten ist zusätzlich das Niederstwertprinzip: Liegt der beizulegende Wert am Stichtag unter dem Durchschnittspreis, ist auf den niedrigeren Wert abzuschreiben.

In Österreich und der Schweiz gelten vergleichbare Grundsätze; die Durchschnittsbewertung ist auch dort üblich und zulässig. Wichtig für alle DACH-Länder ist die Stetigkeit: Ein einmal gewähltes Bewertungsverfahren soll beibehalten werden, damit Bestandswerte über die Jahre vergleichbar bleiben. Ein Wechsel der Methode ist begründungs- und dokumentationspflichtig.

Praxisbeispiel

Beispiel: Durchschnittspreis eines Handelsartikels

Ein Onlinehändler führt einen Artikel mit 100 Stück zu einem Durchschnittspreis von 10,00 € – Bestandswert 1.000 €. Es geht eine neue Lieferung von 100 Stück zu 12,00 € Einstandspreis ein (Zugangswert 1.200 €). Der neue Gleitende Durchschnittspreis ergibt sich aus (1.000 € + 1.200 €) ÷ (100 + 100) = 11,00 € pro Stück.

Verkauft der Händler nun 50 Stück, wird der Warenausgang mit 11,00 € bewertet, also 550 € Wareneinsatz – unabhängig davon, aus welcher Lieferung die Ware physisch stammt. Der Restbestand von 150 Stück bleibt mit 11,00 € bewertet (1.650 €), bis der nächste Wareneingang mit abweichendem Preis den Durchschnitt erneut verschiebt.

Häufige Fragen

Ausschließlich bei Wareneingängen mit einem vom aktuellen Durchschnitt abweichenden Einstandspreis. Warenausgänge reduzieren nur die Menge und werden zum gültigen Durchschnittspreis bewertet, ohne ihn zu verändern.
Der gleitende Durchschnitt wird laufend nach jedem Zugang neu gebildet und ist jederzeit aktuell. Der periodische Durchschnitt entsteht erst am Periodenende als Mittelwert über alle Zugänge des Zeitraums.
Ja. Das HGB (§ 240 Abs. 4, § 256) erlaubt für gleichartige Vorräte die Bewertung zum gewogenen Durchschnitt. Zusätzlich ist das Niederstwertprinzip zu beachten, also ggf. eine Abschreibung auf den niedrigeren Stichtagswert.
Neben dem Warenwert auch direkt zurechenbare Anschaffungsnebenkosten wie Fracht, Zoll und Versicherung. Rabatte, Skonti und Boni mindern den Einstandspreis und damit den Durchschnittswert.

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