Produktion & FertigungZuletzt geprüft: 2026-07-30

PPS (Produktionsplanung und -steuerung)

PPS (Produktionsplanung und -steuerung) ist die planerische und operative Steuerung der Fertigung: Sie legt fest, welches Produkt in welcher Menge mit welchen Materialien, Maschinen und Terminen hergestellt wird. Ziel ist es, Aufträge termingerecht und wirtschaftlich zu fertigen und dabei Material, Kapazität und Bestände optimal auszunutzen.

PPS (Produktionsplanung und -steuerung) bezeichnet die Gesamtheit aller Aufgaben, mit denen ein Fertigungsunternehmen den Ablauf seiner Produktion plant, veranlasst und überwacht. Die PPS beantwortet die Kernfragen der Fertigung: Welches Erzeugnis wird in welcher Menge zu welchem Termin produziert, welche Materialien und Vorprodukte werden dafür benötigt, und auf welchen Maschinen und Arbeitsplätzen läuft die Fertigung in welcher Reihenfolge? Ziel ist es, Kundenaufträge termintreu und kostengünstig zu erfüllen und dabei die drei Spannungsgrößen Termintreue, Kapazitätsauslastung und Bestände in Einklang zu bringen.

Der Begriff gliedert sich in zwei Ebenen. Die Produktionsplanung ist die vorausschauende, dispositive Seite: Sie ermittelt Bedarfe, plant Mengen, Termine und Kapazitäten und legt fest, was gefertigt werden soll. Die Produktionssteuerung ist die operative, ausführende Seite: Sie gibt Fertigungsaufträge frei, weist sie konkreten Maschinen und Schichten zu, überwacht den Fortschritt und greift bei Störungen ein. Beide Ebenen bilden einen fortlaufenden Regelkreis – Planung, Ausführung, Rückmeldung und Korrektur greifen ständig ineinander.

Auf einen Blick

  • Planung und operative Steuerung der gesamten Fertigung
  • Beantwortet: welches Produkt, welche Menge, welches Material, welche Kapazität, welcher Termin
  • Zwei Ebenen: dispositive Planung und operative Steuerung im Regelkreis
  • Zielkonflikt aus Termintreue, Auslastung und Beständen ausbalancieren
  • Im ERP eng verzahnt mit MRP, Stücklisten, Arbeitsplänen und BDE

Aufgaben und Bestandteile der PPS (Produktionsplanung und -steuerung)

Die klassische PPS gliedert sich in mehrere aufeinander aufbauende Funktionsblöcke. Am Anfang steht die Produktionsprogrammplanung: Aus Kundenaufträgen, Absatzprognosen und Lagerzielen wird der Primärbedarf abgeleitet, also festgelegt, welche Enderzeugnisse in welchen Mengen und Zeiträumen herzustellen sind. Daran schließt die Mengenplanung an, die über die Auflösung von Stücklisten den Sekundärbedarf an Baugruppen, Einzelteilen und Rohstoffen berechnet und mit Beständen und offenen Bestellungen abgleicht.

Es folgen die Termin- und Kapazitätsplanung sowie die Auftragsveranlassung und -überwachung. Auf Basis der Arbeitspläne werden die einzelnen Arbeitsgänge terminiert und den Arbeitsplätzen zugeordnet, wobei die verfügbaren Kapazitäten gegen die geplante Belastung geprüft werden. Anschließend werden Fertigungsaufträge freigegeben, mit Material versorgt und in die Werkstatt eingesteuert. Die laufende Überwachung erfasst über Betriebsdatenerfassung Rückmeldungen zu Mengen, Zeiten und Störungen und speist sie zurück in die Planung.

Sukzessivplanung im Trichtermodell

Traditionell arbeitet die PPS nach dem Prinzip der Sukzessivplanung: Die Funktionsblöcke werden nacheinander und mit zunehmender Detaillierung durchlaufen, von der groben Programmplanung bis zur feinen Maschinenbelegung. Das ist einfach beherrschbar, führt aber dazu, dass Material- und Kapazitätsplanung getrennt betrachtet werden und Rückkopplungen erst spät sichtbar werden. Moderne Verfahren versuchen deshalb, Mengen und Kapazitäten stärker simultan zu planen, um Engpässe früher aufzudecken.

Wie PPS funktioniert: der Regelkreis der Fertigung

PPS ist kein einmaliger Planungsakt, sondern ein geschlossener Regelkreis. Die Planung erzeugt einen Soll-Zustand – geplante Mengen, Termine und Belegungen –, die Steuerung setzt ihn in konkrete Fertigungsaufträge um, und die Rückmeldungen aus der Produktion liefern den Ist-Zustand zurück. Weicht der Ist vom Soll ab, weil etwa eine Maschine ausfällt, Material fehlt oder ein Auftrag länger dauert als kalkuliert, wird neu geplant und nachgesteuert. Dieser Soll-Ist-Abgleich macht die PPS reaktionsfähig gegenüber den Störungen des Fertigungsalltags.

Zentral für die Qualität dieses Regelkreises sind saubere Grunddaten. Stücklisten beschreiben, aus welchen Komponenten ein Erzeugnis besteht, Arbeitspläne, in welchen Arbeitsgängen und Zeiten es entsteht. Erst diese Stammdaten erlauben es der PPS, Material- und Kapazitätsbedarfe korrekt zu berechnen. Ergänzend liefert die Betriebsdatenerfassung die Ist-Daten aus der Werkstatt, ohne die kein realistischer Fortschritt sichtbar wird. Fehlerhafte Stücklisten oder unrealistische Vorgabezeiten führen unmittelbar zu falschen Plänen.

Warum PPS wichtig ist: Nutzen und Zielkonflikt

Die PPS entscheidet unmittelbar über die Wettbewerbsfähigkeit eines Fertigers, weil sie drei gegenläufige Ziele gleichzeitig verfolgen muss. Hohe Termintreue verlangt Puffer und Reserven, hohe Kapazitätsauslastung verlangt volle Maschinenbelegung, niedrige Bestände verlangen knappes Material und wenig Ware in Arbeit. Diese Ziele widersprechen sich: Wer die Maschinen um jeden Preis auslastet, baut Zwischenbestände auf; wer Bestände radikal senkt, riskiert Stillstände und Terminverzug. Dieses Spannungsfeld wird als Dilemma der Ablaufplanung bezeichnet, und eine gute PPS findet dafür einen tragfähigen Kompromiss.

Konkret senkt eine funktionierende PPS die Durchlaufzeiten, erhöht die Liefertreue gegenüber Kunden, reduziert das im Umlaufvermögen gebundene Kapital und macht die Produktion planbar statt reaktiv. Sie schafft Transparenz darüber, welcher Auftrag wo steht, welche Kapazität frei ist und welche Aufträge in Verzug geraten. Damit ist die PPS die Informations- und Entscheidungszentrale der Fertigung und ein wesentlicher Hebel für Kosten, Servicegrad und Kundenzufriedenheit zugleich.

PPS im ERP-System und Abgrenzung zu MRP, MRP II und MES

In der Praxis ist die PPS heute meist Teil eines ERP-Systems. Das ERP hält die Stammdaten – Materialstamm, Stücklisten, Arbeitspläne, Arbeitsplätze – zentral vor und verknüpft die Produktionsplanung mit Einkauf, Lager, Vertrieb und Finanzbuchhaltung. So löst ein Kundenauftrag automatisch die Bedarfsrechnung aus, erzeugt Bestellvorschläge für fehlendes Material und Fertigungsaufträge für die Eigenfertigung. Der große Vorteil gegenüber isolierten Insellösungen ist die durchgängige Datenbasis: Bestände, Bedarfe und Termine sind über alle Bereiche konsistent.

Historisch entstand die softwaregestützte PPS aus dem angloamerikanischen Konzept MRP. Die Abkürzungen führen leicht in die Irre, weil sie eng verwandte, aber unterschiedlich weite Konzepte bezeichnen. Für den ERP-Kontext lohnt daher eine saubere Abgrenzung der Begriffe.

PPS versus MRP und MRP II

MRP (Material Requirements Planning) ist enger als PPS: Es berechnet aus Produktionsprogramm und Stücklisten den Materialbedarf und die Bestelltermine, betrachtet aber die Kapazitäten der Maschinen nicht. MRP II (Manufacturing Resource Planning) erweitert diesen Ansatz um Kapazitäts-, Termin- und betriebswirtschaftliche Planung und deckt damit inhaltlich weitgehend das ab, was im deutschsprachigen Raum als PPS bezeichnet wird. PPS und MRP II sind also im Kern deckungsgleich, während MRP nur den Materialteil abbildet.

PPS versus MES

Ein MES (Manufacturing Execution System) ist die shopfloornahe Ausführungsebene zwischen ERP und Maschine. Die PPS im ERP plant mittel- und kurzfristig auf Auftragsebene; das MES übernimmt die feine, echtzeitnahe Steuerung, Maschinenanbindung, Betriebsdatenerfassung und Qualitätssicherung direkt in der Werkstatt. In der Praxis ergänzen sich beide: Das ERP gibt den Rahmen und die Aufträge vor, das MES setzt sie maschinennah um und meldet Ist-Daten zurück.

Praxisbeispiel

Beispiel: Mittelständischer Hersteller von Metallgehäusen

Ein Mittelständler fertigt Schaltschrank- und Gerätegehäuse in Klein- und Mittelserien. Geht ein Kundenauftrag über 200 Gehäuse ein, löst die PPS im ERP die Stückliste auf und berechnet den Bedarf an Blech, Scharnieren und Pulverbeschichtung. Fehlt Material, entsteht automatisch ein Bestellvorschlag für den Einkauf. Parallel terminiert das System die Arbeitsgänge Stanzen, Kanten, Schweißen und Lackieren anhand der Arbeitspläne und prüft, ob die dafür nötige Maschinenkapazität in der gewünschten Woche verfügbar ist.

Nach der Freigabe wandern die Fertigungsaufträge in die Werkstatt. Über Betriebsdatenerfassung melden die Mitarbeiter Stück- und Zeitfortschritte je Arbeitsgang zurück, sodass der Planer jederzeit sieht, welcher Auftrag im Plan liegt und welcher in Verzug gerät. Als eine Kantpresse ausfällt, verschiebt der Planer die betroffenen Aufträge auf eine Ersatzmaschine und informiert den Vertrieb frühzeitig über den neuen Liefertermin. So bleibt die Produktion trotz Störung planbar und lieferfähig.

Häufige Fragen

PPS ist die fachliche Aufgabe, die Fertigung zu planen und zu steuern. ERP ist das übergreifende Softwaresystem, das diese Aufgabe zusammen mit Einkauf, Lager, Vertrieb und Buchhaltung abbildet. In heutigen Systemen ist die PPS meist ein Modul innerhalb des ERP und nutzt dessen gemeinsame Datenbasis.
MRP (Material Requirements Planning) plant nur den Materialbedarf aus Produktionsprogramm und Stücklisten, ohne Kapazitäten zu berücksichtigen. PPS ist weiter gefasst und umfasst zusätzlich Termin- und Kapazitätsplanung sowie die operative Steuerung. Inhaltlich entspricht PPS weitgehend dem erweiterten Konzept MRP II.
Zentral sind Stücklisten, die den Materialaufbau eines Erzeugnisses beschreiben, und Arbeitspläne, die Arbeitsgänge, Arbeitsplätze und Vorgabezeiten festlegen. Ergänzend braucht die PPS gepflegte Materialstammdaten, Kapazitätsangaben der Arbeitsplätze und Ist-Rückmeldungen aus der Betriebsdatenerfassung.
Sobald mehrere Aufträge um dieselben Maschinen und Materialien konkurrieren, hilft eine PPS, Termine und Kapazitäten zu koordinieren. Kleine Fertiger nutzen dafür oft das PPS-Modul ihres ERP statt einer separaten Speziallösung. Bei sehr einfacher Einzelfertigung kann eine schlanke Planung genügen, doch mit steigender Auftrags- und Variantenzahl wächst der Nutzen deutlich.

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