Beschaffung & EinkaufZuletzt geprüft: 2026-07-30

Streckengeschäft (Dropshipping)

Streckengeschäft (Dropshipping) ist ein Handelsmodell, bei dem der Händler die Ware verkauft, sie aber nicht selbst lagert: Der Lieferant oder Hersteller versendet sie im Auftrag des Händlers direkt an den Endkunden. Der Händler tritt nur als Vertrags- und Rechnungspartner auf, ohne die Ware physisch anzufassen.

Streckengeschäft (Dropshipping) bezeichnet ein Handelsmodell, bei dem ein Händler Waren verkauft, die er weder auf Lager hält noch selbst versendet. Stattdessen leitet er die Bestellung an seinen Lieferanten oder den Hersteller weiter, und dieser liefert die Ware im Namen und Auftrag des Händlers direkt an den Endkunden aus. Die Ware nimmt damit den kürzesten Weg – vom Lieferanten zum Kunden –, während der Händler ausschließlich den kaufmännischen Teil übernimmt: Vertragsabschluss, Rechnungsstellung an den Kunden und Bezahlung des Lieferanten.

Der Begriff „Strecke" stammt aus dem Großhandel und beschreibt die direkte Belieferung des Kunden unter Umgehung des eigenen Lagers; „Dropshipping" ist die im E-Commerce verbreitete englische Bezeichnung für dasselbe Prinzip. Kern des Modells ist die Trennung von Warenfluss und Geldfluss: Der Warenfluss läuft direkt vom Lieferanten zum Kunden, der Geld- und Rechnungsfluss dagegen über den Händler. Dieser verdient an der Differenz zwischen seinem Verkaufspreis und dem Einkaufspreis beim Lieferanten, ohne Kapital in Bestände zu binden oder eine eigene Logistik zu betreiben.

Auf einen Blick

  • Verkauf ohne eigenen Lagerbestand: Der Lieferant versendet direkt an den Endkunden
  • Trennung von Warenfluss (Lieferant → Kunde) und Geld-/Rechnungsfluss (über den Händler)
  • Vorteile: keine Kapitalbindung, kein Bestandsrisiko, schneller Sortimentsaufbau
  • Nachteile: geringere Marge, Abhängigkeit vom Lieferanten, wenig Kontrolle über Versand und Qualität
  • Im ERP über Streckenaufträge abgebildet: Kundenauftrag erzeugt automatisch eine Lieferantenbestellung mit Direktlieferung

Wie das Streckengeschäft funktioniert

Der Ablauf eines Streckengeschäfts folgt einer festen Kette. Der Endkunde bestellt beim Händler – im Onlineshop, auf einem Marktplatz oder klassisch per Auftrag. Der Händler nimmt die Bestellung an, schließt den Kaufvertrag mit dem Kunden und löst zugleich eine Bestellung bei seinem Lieferanten aus. Diese Lieferantenbestellung enthält nicht die eigene Lageradresse als Ziel, sondern die Lieferadresse des Endkunden. Der Lieferant kommissioniert, verpackt und versendet die Ware direkt an den Kunden, häufig mit neutralen Versandunterlagen oder unter der Marke des Händlers.

Getrennt davon läuft der kaufmännische Strang: Der Händler stellt dem Endkunden eine Rechnung über seinen Verkaufspreis, der Lieferant stellt dem Händler eine Rechnung über den vereinbarten Einkaufspreis. Die Differenz ist die Handelsspanne des Händlers. Kritisch für das Modell sind aktuelle Bestands- und Verfügbarkeitsdaten des Lieferanten: Nur wenn der Händler weiß, ob und wann geliefert werden kann, hält er seine Lieferfähigkeit gegenüber dem Kunden verlässlich ein. Deshalb ist die Datenanbindung an den Lieferanten – Bestände, Preise, Versandstatus – der neuralgische Punkt jedes Dropshipping-Betriebs.

Die drei Beteiligten und ihre Rollen

Am Streckengeschäft sind stets drei Parteien beteiligt. Der Endkunde bestellt und bezahlt beim Händler und ist rechtlich dessen Vertragspartner. Der Händler betreibt Sortiment, Vertrieb, Marketing und Kundenservice, trägt das Gewährleistungs- und Retourenrisiko und ist Rechnungssteller. Der Lieferant (Großhändler oder Hersteller) hält die Ware, übernimmt Lagerung, Verpackung und Versand und beliefert im Auftrag des Händlers. Der Kunde tritt mit dem Lieferanten in der Regel nicht in Kontakt und erkennt oft nicht, dass die Ware von einem Dritten kommt.

Vorteile und Grenzen des Streckengeschäfts

Der größte Vorteil des Streckengeschäfts liegt im geringen Kapitalbedarf. Der Händler muss keine Ware vorfinanzieren, kein Lager betreiben und trägt kein Risiko für Ladenhüter oder Abschriften. Das ermöglicht einen schnellen Sortimentsaufbau: Neue Artikel lassen sich anbieten, sobald der Lieferant sie führt, ohne Einkaufsentscheidung und Einlagerung. Gerade im E-Commerce senkt das die Einstiegshürde erheblich und erlaubt es, ein breites Sortiment zu testen, ohne in Bestände zu investieren. Auch sperrige oder erklärungsbedürftige Produkte lassen sich so ohne eigene Logistik vertreiben.

Dem stehen deutliche Grenzen gegenüber. Die Marge ist meist niedriger als beim klassischen Streckenhandel mit Lagerhaltung, weil der Lieferant die Logistikleistung erbringt und mitverdient. Der Händler ist stark vom Lieferanten abhängig: Dessen Bestandslage, Lieferzeit, Verpackungsqualität und Termintreue bestimmen unmittelbar die Kundenzufriedenheit, obwohl der Händler darauf wenig Einfluss hat. Bei mehreren Lieferanten pro Bestellung entstehen Teillieferungen mit getrennten Paketen und Versandkosten. Und die Retourenabwicklung ist komplexer, weil die Rücksendung meist an den Lieferanten und nicht an den Händler geht.

Abgrenzung: Streckengeschäft vs. Lagergeschäft und Fulfillment

Das Streckengeschäft grenzt sich vom klassischen Lagergeschäft dadurch ab, dass der Händler die Ware nie physisch besitzt. Im Lagergeschäft kauft der Händler ein, lagert die Ware, kommissioniert und versendet selbst; er trägt Bestandskosten und -risiko, hat aber volle Kontrolle über Verfügbarkeit, Verpackung und Versandgeschwindigkeit. Beim Streckengeschäft entfallen diese Kosten und Risiken – zum Preis geringerer Kontrolle und Marge. Viele Händler kombinieren beide Modelle: Schnelldreher werden selbst bevorratet, Langsamdreher und Sonderartikel über Strecke bezogen.

Dropshipping vs. Fulfillment durch Dritte

Häufig verwechselt wird Dropshipping mit dem Fulfillment durch einen Logistikdienstleister (etwa 3PL oder marktplatzeigene Programme). Der Unterschied liegt im Eigentum an der Ware: Beim Fulfillment gehört die Ware dem Händler und liegt lediglich im Lager eines Dienstleisters, der in seinem Auftrag versendet. Beim echten Streckengeschäft gehört die Ware dem Lieferanten bis zum Verkauf; der Händler kauft erst ein, wenn der Endkunde bestellt hat. Wirtschaftlich ist das ein zentraler Unterschied: Fulfillment bindet Kapital in Beständen, Dropshipping nicht.

Streckengeschäft (Dropshipping) im ERP-System

Im ERP-System wird das Streckengeschäft über den sogenannten Streckenauftrag (Direktlieferung) abgebildet. Kennzeichnet der Händler einen Artikel oder eine Auftragsposition als Streckenartikel, erzeugt das System aus dem eingehenden Kundenauftrag automatisch eine Bestellung an den hinterlegten Lieferanten – mit der Lieferadresse des Endkunden statt der eigenen. Kundenauftrag und Lieferantenbestellung bleiben dabei verknüpft, sodass sich Status, Termine und Rückstände durchgängig verfolgen lassen. Der Bestand des Händlers wird nicht berührt, weil die Ware sein Lager nie durchläuft.

Diese Verzahnung setzt saubere Stammdaten voraus: Der Artikelstamm muss den Streckenlieferanten, Einkaufspreise und Wiederbeschaffungszeiten führen, der Lieferantenstamm die Konditionen und Zahlungsziele. Zentral ist die Anbindung an den Lieferanten über eine Schnittstelle: Über eine API oder einen Datenimport-Export werden Bestände, Preise und Versandstatus – idealerweise Tracking-Nummern – automatisch übernommen. Ohne diese Automatisierung wird das Streckengeschäft schnell fehleranfällig, weil Verfügbarkeit und Versandstand manuell gepflegt werden müssten. Im ERP laufen zudem Rechnungsprüfung gegen die Lieferantenrechnung und die Rechnungsstellung an den Kunden zusammen.

DACH-Besonderheiten: Umsatzsteuer und Reihengeschäft

Steuerlich ist das Streckengeschäft im DACH-Raum ein Reihengeschäft: Mehrere Unternehmer schließen über denselben Gegenstand Umsatzgeschäfte ab (Lieferant an Händler, Händler an Kunde), während die Ware unmittelbar vom ersten zum letzten Beteiligten gelangt. Nach dem Umsatzsteuergesetz kann bei einer Warenbewegung nur eine Lieferung die „bewegte" (und damit potenziell steuerbefreite) Lieferung sein; die übrige gilt als ruhende Lieferung. Bei innergemeinschaftlichen oder Drittlands-Konstellationen wird die Zuordnung schnell komplex, sodass die korrekte umsatzsteuerliche Behandlung sorgfältig geprüft werden muss.

Praktisch relevant sind zudem Verbraucherschutz und Rechnungsstellung: Der Händler bleibt gegenüber dem Endkunden Vertragspartner und haftet für Gewährleistung, Widerruf und ordnungsgemäße Rechnung. Die vom Händler an den Kunden ausgestellte Rechnung muss den umsatzsteuerlichen Anforderungen genügen und darf keine internen Einkaufsdaten des Lieferanten offenlegen – weshalb Streckenlieferungen meist neutral versendet werden. Für die revisionssichere Ablage der Belege gelten die Grundsätze zur ordnungsmäßigen Buchführung (GoBD), was ein durchgängig verbuchtes Streckengeschäft im ERP zusätzlich begünstigt.

Praxisbeispiel

Beispiel: Möbel-Onlineshop verkauft sperrige Ware per Strecke

Ein kleiner Onlineshop für Gartenmöbel möchte großformatige Loungegruppen anbieten, ohne eine eigene Lagerhalle für sperrige Ware anzumieten. Er vereinbart mit einem Großhändler ein Streckengeschäft: Der Shop listet die Artikel mit den vom Großhändler gelieferten Bildern, Beschreibungen und Beständen, hält aber selbst keine einzige Garnitur vor.

Bestellt ein Kunde eine Loungegruppe, erzeugt das ERP aus dem Kundenauftrag automatisch eine Bestellung an den Großhändler mit der Lieferadresse des Kunden. Der Großhändler versendet die palettierte Ware per Spedition neutral an den Endkunden und meldet die Sendungsnummer über die Schnittstelle zurück, die der Shop an den Kunden weiterreicht. Der Kunde zahlt den Shop-Preis, der Großhändler stellt dem Shop den Einkaufspreis in Rechnung. So kann der Händler ein sperriges Sortiment führen, ohne Lagerfläche, Handling und Kapitalbindung für schwer kalkulierbare Ware zu tragen.

Häufige Fragen

Beide Begriffe meinen dasselbe Prinzip: Der Händler verkauft Ware, die der Lieferant direkt an den Endkunden versendet. „Streckengeschäft" ist der traditionelle Begriff aus dem Groß- und B2B-Handel, „Dropshipping" die im E-Commerce verbreitete englische Bezeichnung. In der Praxis werden sie synonym verwendet.
Nein. Die Ware läuft direkt vom Lieferanten zum Endkunden und durchläuft nie das Lager des Händlers. Im ERP wird deshalb kein eigener Bestand gebucht; der Kundenauftrag erzeugt stattdessen eine verknüpfte Streckenbestellung mit der Kundenadresse als Lieferziel.
Es gilt als Reihengeschäft: Zwei Umsatzgeschäfte (Lieferant→Händler, Händler→Kunde) bei nur einer Warenbewegung. Nur eine der Lieferungen ist die „bewegte" Lieferung, die andere ruht. Gerade bei grenzüberschreitenden Fällen ist die Zuordnung komplex und sollte steuerlich geprüft werden.
Vor allem geringere Margen, weil der Lieferant die Logistik erbringt und mitverdient, sowie starke Abhängigkeit von dessen Verfügbarkeit, Lieferzeit und Verpackungsqualität. Hinzu kommen aufwendigere Retouren und mögliche Teillieferungen mit getrennten Paketen, wenn mehrere Lieferanten beteiligt sind.

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