Click and Collect
Click and Collect ist ein Omnichannel-Verfahren, bei dem Kunden online bestellen und bezahlen und die Ware anschließend selbst in einer Filiale oder an einem Abholpunkt abholen, statt sie sich liefern zu lassen.
Click and Collect (deutsch „online kaufen, im Geschäft abholen") ist ein Omnichannel-Verkaufsverfahren, bei dem Kunden einen Artikel online reservieren oder kaufen und die Ware anschließend selbst in einer Filiale, an einem Schalter oder an einer Abholstation entgegennehmen. Der Bestellvorgang läuft digital über Shop oder App, die Übergabe erfolgt stationär – Versandkosten und Zustellwartezeit entfallen.
Der Begriff verbindet den digitalen Kaufakt („Click") mit der physischen Abholung („Collect"). Für den Händler ist Click and Collect eine Brücke zwischen Onlineshop und Ladengeschäft: Der Filialbestand wird online verkäuflich, und Kunden, die schnell an die Ware wollen oder Versandkosten sparen möchten, erhalten eine dritte Option neben Ladenkauf und Heimlieferung.
Auf einen Blick
- Online kaufen oder reservieren, stationär abholen – kein Versand
- Klassische Omnichannel-Brücke zwischen Shop und Filiale
- Spart Versandkosten und -zeit, erhöht Kontakt am POS (Zusatzverkauf)
- Setzt filialgenaue Bestandstransparenz in Echtzeit voraus
- ERP/Warenwirtschaft steuert Verfügbarkeit, Reservierung und Abholstatus
Wie Click and Collect funktioniert
Der Ablauf besteht aus vier Schritten: Der Kunde wählt im Onlineshop einen Artikel und die gewünschte Abholfiliale, das System prüft und reserviert den Bestand an diesem Standort, das Filialpersonal stellt die Ware bereit, und der Kunde holt sie nach einer Bereitstellungsbenachrichtigung ab. Bei der Abholung weist sich der Kunde über eine Bestell- oder Abholnummer aus, damit die Ware eindeutig dem richtigen Auftrag zugeordnet und aus der Reservierung ausgebucht werden kann. Ob bereits online oder erst bei Abholung gezahlt wird, hängt vom gewählten Modell ab.
Technisch ist die Bestandsführung der kritische Punkt: Der Shop darf nur Artikel als abholbar anzeigen, die am jeweiligen Standort tatsächlich vorrätig sind. Dafür muss der Filialbestand nahezu in Echtzeit an den Shop gemeldet und die reservierte Menge sofort gesperrt werden, damit dieselbe Einheit nicht parallel im Laden verkauft wird.
Reserve and Collect vs. Buy and Collect
Man unterscheidet zwei Varianten. Bei „Reserve and Collect" reserviert der Kunde die Ware nur unverbindlich und bezahlt erst in der Filiale – der Kauf kommt erst bei Abholung zustande. Bei „Buy and Collect" (Click and Collect im engeren Sinne) wird bereits online bezahlt, die Abholung ist reine Warenübergabe.
Die Zahlungsvariante hat Folgen für Buchhaltung und Retourenabwicklung: Ein online abgeschlossener Kauf erzeugt sofort einen Zahlungseingang und eine Rechnung, während die Vor-Ort-Zahlung erst am POS-System (Kasse) verbucht wird und ein Storno bei Nicht-Abholung nötig macht.
Nutzen und Relevanz von Click and Collect
Für Kunden ist der Hauptvorteil Geschwindigkeit und Kostenersparnis: Vorrätige Ware ist oft schon nach Minuten oder Stunden abholbereit, es fallen keine Versandkosten an, und niemand muss auf eine Paketzustellung warten. Zugleich lässt sich der Artikel bei Abholung prüfen, was Fehlkäufe reduziert.
Für Händler wirkt Click and Collect gleich mehrfach: Der stationäre Bestand wird online umschlagfähig, statt in der Filiale zu liegen. Jede Abholung bringt den Kunden physisch in den Laden, was messbar Zusatz- und Impulskäufe auslöst. Und im Vergleich zur Paketzustellung sinken Logistikkosten und Retourenquote, weil kein Versand und keine „Paket-nicht-angenommen"-Fälle entstehen. In der DACH-Region gewann das Verfahren zusätzlich Bedeutung, als während der Pandemie-Lockdowns die Warenabholung teils die einzige zulässige Verkaufsform des stationären Handels war.
Für kleine und mittlere Händler ist Click and Collect außerdem ein realistischer Einstieg in den Omnichannel-Handel: Es erfordert keine eigene Versandinfrastruktur und nutzt die vorhandene Filiale als Fulfillment-Standort. Damit lässt sich die Reichweite des Onlineshops mit überschaubarem Aufwand um lokale Abholung ergänzen und der bestehende Warenbestand doppelt vermarkten – online wie stationär.
Abgrenzung zu verwandten Begriffen
Click and Collect wird häufig mit anderen Fulfillment-Modellen verwechselt. Die Unterschiede liegen im Ort der Abholung und in der Rolle der Filiale.
Click and Collect, Ship-from-Store und Curbside Pickup
Bei Click and Collect holt der Kunde die Ware selbst in der Filiale ab. Bei „Ship-from-Store" dient die Filiale dagegen als Versandlager: Der Filialbestand wird zwar online verkauft, aber an die Kundenadresse geschickt – es gibt keine Abholung. „Curbside Pickup" ist eine Sonderform von Click and Collect, bei der die Ware kontaktlos zum Auto auf dem Parkplatz gebracht wird.
Abzugrenzen ist Click and Collect außerdem vom klassischen Versandhandel und vom reinen Ladenkauf: Es ist ein hybrides Modell, das den Onlinekauf mit stationärer Übergabe kombiniert und damit ein typischer Baustein einer Omnichannel- oder Multichannel-Strategie ist.
Click and Collect im ERP-System
Ohne integrierte Warenwirtschaft ist Click and Collect kaum verlässlich zu betreiben, denn es steht und fällt mit korrekten, standortgenauen Beständen. Das ERP-System führt den Bestand je Lagerort bzw. Filiale, synchronisiert ihn mit dem Onlineshop und sperrt reservierte Mengen sofort, sodass keine Überverkäufe entstehen. Über die Bestandssynchronisation zwischen Shop, ERP und ggf. Kassensystem bleibt die angezeigte Verfügbarkeit belastbar.
Prozessseitig löst die Onlinebestellung im ERP einen Abhol-Auftrag aus: Der Auftrag wird der gewählten Filiale zugewiesen, das Personal kommissioniert und bestätigt die Bereitstellung, und der Kunde erhält automatisiert eine Abholbenachrichtigung. Belegfluss (Auftragsbestätigung, Lieferschein bzw. Abholbeleg, Rechnung), Zahlungsabgleich und – bei Nicht-Abholung – die Rückbuchung und Bestandsrückführung laufen ebenfalls über das System. Häufig wird der Shop über eine API oder einen Konnektor mit dem ERP gekoppelt, das POS-/Kassensystem ergänzt die Zahlung vor Ort.
Voraussetzungen und typische Stolpersteine
Damit Click and Collect funktioniert, müssen mehrere Bausteine zusammenspielen: filialgenaue Bestandsführung in Echtzeit, eine Shop-Anbindung, die Abholstandorte und Verfügbarkeiten abbildet, ein klar definierter Filialprozess für Kommissionierung und Übergabe sowie eine Zahlungs- und Belegabwicklung, die zum gewählten Modell passt.
Typische Stolpersteine sind veraltete Bestände (Überverkauf, weil die Synchronisation zu langsam ist), fehlende Reservierungslogik, unklare Zuständigkeiten in der Filiale und nicht abgeholte Bestellungen, für die es feste Aufbewahrungsfristen und automatische Storno-/Rückbuchungsregeln braucht. Wer diese Punkte sauber im ERP abbildet, vermeidet enttäuschte Kunden und Bestandsdifferenzen.
Praxisbeispiel
Beispiel: Regionaler Sportartikel-Händler mit drei Filialen
Ein Sportfachhändler mit drei Standorten und einem Onlineshop führt Click and Collect ein. Eine Kundin sieht im Shop, dass ein Laufschuh in Größe 40 in der Filiale in ihrer Nähe vorrätig ist, bezahlt online und wählt Abholung. Das ERP reserviert das Paar sofort in genau dieser Filiale und sperrt es für den Ladenverkauf.
Das Filialteam erhält den Abhol-Auftrag, legt die Schuhe bereit und bestätigt die Bereitstellung; die Kundin bekommt automatisch eine Abhol-Mail. Bei der Abholung nimmt sie zusätzlich passende Sportsocken mit – ein Zusatzverkauf, der ohne den Filialbesuch nicht zustande gekommen wäre. Der gesamte Vorgang – Reservierung, Bestandssperre, Beleg und Zahlungsabgleich – läuft ohne manuelle Nacharbeit durch das ERP.
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