Warenwirtschaft & BestandZuletzt geprüft: 2026-07-30

FIFO (First In, First Out)

FIFO (First In, First Out) ist das Prinzip, zuerst eingelagerte Ware zuerst wieder zu entnehmen bzw. zu verbrauchen. Es beschreibt sowohl eine physische Entnahmestrategie im Lager als auch ein Verbrauchsfolgeverfahren zur Bewertung von Vorräten: Die ältesten Zugänge gelten als zuerst abgegangen.

FIFO (First In, First Out) ist der Grundsatz, dass die zuerst eingelagerte Ware auch zuerst wieder entnommen, verbraucht oder verkauft wird. Übersetzt bedeutet „First In, First Out" so viel wie „zuerst hinein, zuerst hinaus". Das Prinzip hat zwei Ausprägungen, die häufig verwechselt werden: Als physische Entnahmestrategie steuert FIFO, welche konkreten Einheiten im Lager zuerst herausgegeben werden. Als Verbrauchsfolgeverfahren ist FIFO eine Bewertungsannahme, bei der die ältesten Zugänge rechnerisch als zuerst abgegangen behandelt werden – unabhängig davon, welche Stücke physisch tatsächlich das Lager verlassen haben.

In der Warenwirtschaft ist FIFO damit sowohl eine Frage der Lagerlogistik als auch der Bestandsbewertung. Physisch sorgt es dafür, dass Ware nicht überaltert, verdirbt oder ihr Mindesthaltbarkeitsdatum überschreitet. Rechnerisch bestimmt es, mit welchen Einstandspreisen der verbleibende Bestand und die abgegebene Menge bewertet werden – und beeinflusst so den Warenwert in der Bilanz und den Wareneinsatz in der Gewinn-und-Verlust-Rechnung. Beide Sichtweisen greifen im ERP-System ineinander, sind aber sauber zu trennen, weil ein Betrieb physisch nach FIFO arbeiten und dennoch ein anderes Bewertungsverfahren nutzen kann.

Auf einen Blick

  • First In, First Out: älteste Ware geht zuerst ab
  • Zwei Bedeutungen: physische Entnahmestrategie und Bewertungsverfahren
  • Verhindert Überalterung, Verderb und MHD-Überschreitung
  • Gegenstück ist LIFO (Last In, First Out)
  • Handelsrechtlich nach § 256 HGB zulässig, steuerlich eingeschränkt

Wie FIFO (First In, First Out) funktioniert

Das FIFO-Prinzip behandelt den Lagerbestand wie eine Warteschlange: Was zuerst hineinkommt, verlässt das Lager auch zuerst. Jeder Zugang wird mit Zugangsdatum und – im Bewertungsfall – mit seinem Einstandspreis erfasst. Bei einer Entnahme greift das System auf die jeweils ältesten Bestände zu. Physisch heißt das etwa, dass im Regal die vordere, ältere Charge zuerst kommissioniert wird; rechnerisch heißt es, dass die Kosten der ältesten Zugangsschicht dem Abgang zugeordnet werden.

Für die Bewertung führt FIFO faktisch mehrere „Schichten" je Artikel: Jede Lieferung bildet eine Lage mit eigener Menge und eigenem Preis. Wird verkauft, werden diese Lagen von unten – also von der ältesten – abgetragen. Der verbleibende Bestand besteht folglich aus den jüngsten, zuletzt beschafften Einheiten und wird mit deren Preisen bewertet. In Zeiten steigender Einkaufspreise führt das dazu, dass der Bestand mit den höheren, aktuellen Preisen in der Bilanz steht, während der Wareneinsatz mit den älteren, niedrigeren Preisen ausgewiesen wird.

Physische Entnahmestrategie vs. Bewertungsannahme

Die physische FIFO-Strategie ist eine Frage der Lagerorganisation: Durchlaufregale, klare Kommissionierregeln oder eine Steuerung nach Chargen- und Verfallsdatum sorgen dafür, dass tatsächlich die ältere Ware zuerst herausgeht. Die Bewertungsannahme dagegen ist rein kalkulatorisch und funktioniert auch dann, wenn die physische Reihenfolge im Lager gar nicht eingehalten wird. Ein Betrieb kann Schrauben in beliebiger Reihenfolge entnehmen und sie trotzdem nach FIFO bewerten. Umgekehrt kann verderbliche Ware zwingend physisch nach FIFO fließen, obwohl bilanziell ein Durchschnittspreis angesetzt wird.

FIFO in der Bestandsbewertung

Als Verbrauchsfolgeverfahren ist FIFO eine anerkannte Methode der Bestandsbewertung. Sie kommt zum Einsatz, wenn gleichartige Artikel zu unterschiedlichen Preisen beschafft wurden und sich die einzelnen Stücke im Lager nicht mehr auseinanderhalten lassen. Statt jeden Zugang einzeln zu verfolgen, unterstellt FIFO eine feste Abgangsreihenfolge und macht die Bewertung so praktikabel und nachvollziehbar. Alternativen sind das LIFO-Verfahren, die Durchschnittsmethode (gleitender oder periodischer Durchschnitt) sowie die Einzelbewertung.

Auswirkung auf Bilanz und Ergebnis

Weil FIFO den Restbestand mit den jüngsten Preisen bewertet, spiegelt der Bilanzansatz bei Preissteigerungen näherungsweise die aktuellen Wiederbeschaffungskosten wider. Der ausgewiesene Wareneinsatz fällt zugleich niedriger aus als bei LIFO, weil die älteren, günstigeren Preise verrechnet werden – der Gewinn erscheint tendenziell höher. Bei fallenden Preisen kehrt sich der Effekt um. Zu beachten ist das handelsrechtliche Niederstwertprinzip: Übersteigt der FIFO-Wert den niedrigeren Marktpreis am Bilanzstichtag, ist auf diesen abzuwerten.

Warum FIFO wichtig ist

Der praktische Nutzen von FIFO liegt zuerst in der Vermeidung von Überalterung. Bei Lebensmitteln, Kosmetik, Pharmazie oder Chemie ist die physische FIFO-Entnahme oft zwingend, damit Ware nicht das Mindesthaltbarkeitsdatum überschreitet und als Abschreibung verloren geht. Auch bei technischen Produkten mit kurzen Innovationszyklen verhindert FIFO, dass ältere Modelle im Lager veralten. Ein konsequenter First-In-First-Out-Fluss senkt so Verderb, Wertminderung und Entsorgungskosten.

Aus kaufmännischer Sicht überzeugt FIFO durch seine Nachvollziehbarkeit: Die Bewertungsannahme entspricht in vielen Branchen der tatsächlichen physischen Warenbewegung, was die Methode plausibel und prüfungsfest macht. Gerade in Verbindung mit einer sauberen Bestandsführung und Chargenverwaltung liefert FIFO einen Bestandswert, der eng an den realen Beschaffungspreisen liegt. Für Unternehmen mit hoher Lagerbindung ist das eine wichtige Grundlage, um Kapitalbindung, Lagerumschlag und Ergebniswirkung realistisch zu beurteilen.

FIFO im ERP-System

In einem ERP- oder Warenwirtschaftssystem ist FIFO als Bewertungs- und Entnahmelogik hinterlegt und arbeitet automatisch bei jeder Bestandsbewegung. Bei einem Wareneingang legt das System eine neue Preisschicht mit Menge, Datum und Einstandspreis an; bei einem Warenausgang bucht es die älteste verfügbare Schicht ab und errechnet daraus den Wareneinsatz. So bleibt der Bestandswert je Artikel jederzeit korrekt fortgeschrieben, ohne dass jemand die Preisreihenfolge manuell verwalten muss.

Für die physische FIFO-Steuerung stützt sich das System auf Chargen- oder Seriennummern und auf das Mindesthaltbarkeitsdatum: Bei der Kommissionierung schlägt es die älteste Charge zur Entnahme vor. Voraussetzung ist ein sauberer Artikelstamm mit definierten Einheiten und die Aktivierung der Chargenführung. In Lösungen wie xentral, weclapp oder JTL ist FIFO als Bewertungsverfahren wählbar und mit der Chargenverwaltung gekoppelt, sodass Bewertung und physischer Warenfluss aus denselben Daten gespeist werden.

Abgrenzung: FIFO vs. LIFO und Durchschnittsmethode

FIFO, LIFO und die Durchschnittsmethode sind alternative Verbrauchsfolge- bzw. Bewertungsverfahren, die sich nur in der unterstellten Reihenfolge bzw. Preisbildung unterscheiden. FIFO (First In, First Out) verrechnet die ältesten Zugänge zuerst und lässt die jüngsten Preise im Bestand. LIFO (Last In, First Out) macht es genau umgekehrt: Die zuletzt beschaffte Ware gilt als zuerst verbraucht, der Bestand wird mit den ältesten Preisen bewertet. Die Durchschnittsmethode glättet die Unterschiede, indem sie einen gewichteten Mittelpreis über alle Zugänge bildet.

In der DACH-Region ist die Verfahrenswahl auch rechtlich geprägt. Handelsrechtlich lässt § 256 HGB ausdrücklich Verbrauchsfolgeverfahren wie FIFO und LIFO zu, sofern sie den Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung entsprechen. Steuerrechtlich ist die Lage enger: § 6 Abs. 1 Nr. 2a EStG nennt allein die LIFO-Methode als zugelassenes Verbrauchsfolgeverfahren. FIFO ist steuerlich daher nur anwendbar, wenn es der tatsächlichen Verbrauchsfolge entspricht oder als Ausdruck des Niederstwertprinzips zum niedrigeren Wert führt. Wer FIFO handelsrechtlich nutzt, muss die steuerliche Bewertung deshalb gegebenenfalls gesondert prüfen.

Praxisbeispiel

Beispiel: Naturkosmetik-Händler mit Mindesthaltbarkeitsdatum

Ein mittelständischer Händler für Naturkosmetik bezieht dieselbe Creme in mehreren Chargen zu steigenden Einkaufspreisen: 500 Stück im Januar zu 4,00 €, 500 Stück im April zu 4,60 €. Weil die Produkte ein Mindesthaltbarkeitsdatum tragen, muss physisch die ältere Charge zuerst raus – das ERP-System schlägt bei jeder Kommissionierung automatisch die Januar-Charge vor, solange sie reicht.

Auch die Bewertung folgt FIFO: Werden 600 Stück verkauft, verrechnet das System zuerst die 500 Einheiten zu 4,00 € und dann 100 Einheiten zu 4,60 €. Der Restbestand von 400 Stück steht mit dem jüngsten Preis von 4,60 € in der Bilanz und liegt damit nahe an den aktuellen Wiederbeschaffungskosten. So vermeidet der Händler Abschreibungen durch abgelaufene Ware und erhält gleichzeitig einen realistischen, prüfungsfesten Bestandswert.

Häufige Fragen

FIFO steht für „First In, First Out" – zuerst hinein, zuerst hinaus. Die zuerst eingelagerte Ware wird zuerst wieder entnommen oder verkauft. Das Prinzip gilt sowohl für die physische Lagerentnahme als auch für die rechnerische Bewertung von Vorräten, bei der die ältesten Zugänge als zuerst abgegangen gelten.
Bei FIFO (First In, First Out) gilt die älteste Ware als zuerst verbraucht, der Bestand wird mit den jüngsten Preisen bewertet. Bei LIFO (Last In, First Out) ist es umgekehrt: Die zuletzt beschaffte Ware gilt als zuerst abgegangen, der Bestand trägt die ältesten Preise. Bei steigenden Preisen weist FIFO einen höheren Bestandswert und Gewinn aus als LIFO.
Handelsrechtlich ist FIFO nach § 256 HGB als Verbrauchsfolgeverfahren zulässig. Steuerlich nennt § 6 Abs. 1 Nr. 2a EStG jedoch nur LIFO ausdrücklich. FIFO ist steuerlich nur anwendbar, wenn es der tatsächlichen Verbrauchsfolge entspricht oder über das Niederstwertprinzip zum niedrigeren Wertansatz führt. Die steuerliche Bewertung sollte daher gesondert geprüft werden.
Die physische FIFO-Entnahme ist überall sinnvoll, wo Ware altern oder verderben kann – etwa bei Lebensmitteln, Kosmetik, Pharma oder Produkten mit Mindesthaltbarkeitsdatum. Sie verhindert, dass ältere Bestände liegen bleiben und abgeschrieben werden müssen. Ein ERP-System mit Chargenverwaltung steuert die FIFO-Entnahme automatisch über das Verfallsdatum.

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