Lager & LogistikZuletzt geprüft: 2026-07-30

Retoure

Eine Retoure ist die Rücksendung bereits gelieferter Ware vom Kunden an den Verkäufer – etwa wegen Nichtgefallen, Falschlieferung oder eines Defekts. Sie löst einen eigenen Prozess aus: Annahme und Prüfung der zurückkommenden Ware sowie die anschließende Gutschrift, Erstattung oder den Umtausch.

Eine Retoure ist die Rücksendung bereits gelieferter Ware vom Kunden zurück an den Verkäufer oder Versender. Sie kehrt den ursprünglichen Warenfluss um: Was zuvor als Bestellung ausgeliefert wurde, läuft nun als Rücklieferung wieder ins Lager ein. Auslöser sind typischerweise Nichtgefallen, eine falsch gelieferte oder falsch bestellte Ware, ein Defekt, eine Beschädigung auf dem Transportweg oder die Ausübung des gesetzlichen Widerrufsrechts im Fernabsatz. Jede Retoure stößt einen eigenen Ablauf an – von der Anmeldung über die physische Annahme und Prüfung bis zur finanziellen Regulierung per Gutschrift, Erstattung oder Umtausch.

Der Begriff stammt vom Verb „retournieren" (zurücksenden) und ist im Handel, im Versandhandel und besonders im E-Commerce fest verankert. Eine Retoure ist damit mehr als ein zurückgeschicktes Paket: Sie ist ein logistischer und kaufmännischer Vorgang, der Lagerbestand, Buchhaltung und Kundenbeziehung berührt. Im Onlinehandel gehört sie zum Alltag – in einzelnen Segmenten wie der Mode wird ein erheblicher Teil der versendeten Artikel wieder zurückgeschickt. Wie schnell und günstig ein Unternehmen Retouren abwickelt, entscheidet deshalb mit über Kosten, Warenverfügbarkeit und Kundenzufriedenheit.

Auf einen Blick

  • Rücksendung bereits gelieferter Ware vom Kunden an den Verkäufer (umgekehrter Warenfluss)
  • Häufige Gründe: Nichtgefallen, Falschlieferung, Defekt, Transportschaden, Widerruf
  • Löst Annahme, Prüfung und finanzielle Regulierung (Gutschrift, Erstattung, Umtausch) aus
  • Wird auch Rücksendung oder Warenrücksendung genannt; Teil der Retourenlogistik
  • Im ERP verzahnt mit Wareneingang, Bestandsführung, Auftrag und Buchhaltung

Was ist eine Retoure – und wie entsteht sie?

Eine Retoure entsteht, wenn ein Kunde eine erhaltene Lieferung ganz oder teilweise zurückgibt. Der Vorgang bezieht sich immer auf bereits ausgelieferte Ware und setzt damit nach der eigentlichen Bestellung und dem Versand an. Die Rücksendung kann einzelne Positionen eines Auftrags betreffen (Teilretoure) oder die komplette Lieferung (Vollretoure). Kaufmännisch führt sie zu einer Anpassung des ursprünglichen Geschäfts: Der Verkäufer nimmt die Ware zurück und erstattet den Kaufpreis, stellt eine Gutschrift aus oder liefert Ersatz.

Die Gründe für Retouren lassen sich grob in kundenseitige und verkäuferseitige Ursachen teilen. Kundenseitig sind Nichtgefallen, falsche Größe, eine Auswahlbestellung mehrerer Varianten oder schlicht ein Sinneswandel typisch. Verkäuferseitig kommen Falschlieferungen, Qualitätsmängel, Transportschäden oder unvollständige Sendungen hinzu. Diese Unterscheidung ist wichtig, weil sie über die Verantwortung für Rücksendekosten, die weitere Verwendung der Ware und mögliche Prozessverbesserungen im Versand entscheidet.

Widerruf und Gewährleistung als rechtliche Auslöser

Im Fernabsatz – also bei Bestellungen über Onlineshop, Telefon oder Katalog – steht Verbrauchern in der EU ein gesetzliches Widerrufsrecht zu, das eine Rückgabe ohne Angabe von Gründen erlaubt. Davon zu trennen ist die Gewährleistung, die bei mangelhafter Ware greift. Beide Fälle münden praktisch in eine Retoure, unterscheiden sich aber in Fristen, Kostenverantwortung und Dokumentation. Viele Händler gewähren darüber hinaus freiwillig großzügigere Rückgaberechte als Serviceargument.

Wie läuft die Retoure ab?

Der Retourenprozess beginnt meist mit der Anmeldung: Der Kunde meldet die Rücksendung an, erhält ein Rücksendeetikett und einen Retourenschein, der die Sendung eindeutig einem Auftrag zuordnet. Die Ware wird verpackt, an den Versanddienstleister übergeben und läuft beim Verkäufer als Wareneingang ein. Dort erfolgt die Identifikation über Retourennummer oder Auftragsbezug, damit klar ist, welche Bestellung betroffen ist.

Kern des Ablaufs ist die Prüfung: Ist die zurückgeschickte Ware vollständig, unbenutzt und wiederverkaufsfähig? Je nach Ergebnis wird der Artikel als A-Ware wieder eingelagert, als B-Ware mit Abschlag verkauft, aufbereitet, an den Lieferanten zurückgeschickt oder entsorgt. Parallel läuft die kaufmännische Regulierung: Der Verkäufer erstellt eine Gutschrift oder erstattet den Betrag, im Umtauschfall wird eine Ersatzlieferung angestoßen. Erst wenn Ware und Geld verbucht sind, gilt die Retoure als abgeschlossen.

Warum Retouren wirtschaftlich so wichtig sind

Retouren verursachen direkte Kosten – Rückporto, Wareneingang, Prüfung, Aufbereitung, Wiedereinlagerung und mögliche Wertminderung – die in der Summe einen erheblichen Teil der Marge aufzehren können. Gleichzeitig binden zurücklaufende Artikel Kapital und Lagerfläche und sind während der Bearbeitung nicht verfügbar. Eine hohe Retourenquote belastet daher unmittelbar die Rentabilität, gerade im margenschwachen Onlinehandel.

Umgekehrt ist eine reibungslose Rückgabe ein starkes Verkaufsargument: Kunden bestellen eher, wenn sie problemlos zurücksenden können. Unternehmen bewegen sich damit in einem Spannungsfeld zwischen kundenfreundlicher Rückgabe und Kostenkontrolle. Der Schlüssel liegt weniger im Erschweren der Rückgabe als im Vermeiden vermeidbarer Retouren – etwa durch bessere Produktbeschreibungen, präzise Größenangaben, hochwertige Bilder und eine fehlerfreie Kommissionierung, die Falschlieferungen ausschließt.

Retourenquote als zentrale Kennzahl

Die Retourenquote misst den Anteil zurückgesendeter Ware am Versandvolumen und lässt sich mengen- oder wertbezogen berechnen. Sie ist die wichtigste Steuerungsgröße im Retourenmanagement: Ausgewertet nach Artikel, Kategorie, Kunde oder Retourengrund deckt sie Problemartikel und Prozessfehler auf. Ein Artikel mit dauerhaft hoher Quote weist etwa auf irreführende Beschreibung oder mangelhafte Qualität hin und lässt sich gezielt überarbeiten oder auslisten.

Die Retoure im ERP-System

Im ERP-System wird die Retoure als eigener Beleg abgebildet, der auf den ursprünglichen Auftrag und die Lieferung verweist. So bleibt die gesamte Historie – Bestellung, Versand, Rücksendung, Gutschrift – lückenlos nachvollziehbar. Aus dem Retourenbeleg leitet das System den Wareneingang der zurückkommenden Ware ab, aktualisiert den Bestand und stößt die passende Buchung in der Buchhaltung an. Weil Warenbewegung und Wertfluss aus einer Datenbasis stammen, stimmen Lagerbestand und Konten jederzeit überein.

Der praktische Nutzen liegt in der Durchgängigkeit: Der zurücklaufende Artikel wird bei der Prüfung einem Zustand zugewiesen, der über die weitere Bestandsführung entscheidet – verkaufsfähige Ware fließt automatisch zurück in den verfügbaren Bestand, defekte Ware in einen Sperrbestand. Angebundene Onlineshops und Marktplätze erhalten den aktualisierten Bestand über eine Schnittstelle zurückgemeldet, sodass wieder eingelagerte Artikel unmittelbar erneut verkäuflich sind. Gutschriften entstehen aus demselben Vorgang, wodurch manuelle Nacharbeit und Fehlbuchungen entfallen.

Retourenportal und Automatisierung

Viele Systeme koppeln an ein Retourenportal, über das Kunden ihre Rücksendung selbst anmelden. Grund, Menge und Artikel werden dabei strukturiert erfasst und direkt in den ERP-Beleg übernommen. Regelwerke automatisieren die Abwicklung: Standardretouren werden ohne Eingriff gutgeschrieben, während auffällige Fälle – etwa hohe Beträge oder Verschleiß – zur manuellen Prüfung ausgesteuert werden. Das beschleunigt die Bearbeitung und liefert zugleich saubere Daten für die Retourenanalyse.

Abgrenzung: Retoure, Reklamation und Storno

Retoure, Reklamation und Storno werden im Alltag oft vermischt, bezeichnen aber Verschiedenes. Eine Retoure ist die physische Rücksendung bereits gelieferter Ware, unabhängig vom Grund. Eine Reklamation ist die Beanstandung eines Mangels: Sie kann in eine Retoure münden, muss es aber nicht – etwa wenn der Verkäufer einen Preisnachlass gewährt und die Ware beim Kunden bleibt. Ein Storno wiederum hebt einen Auftrag auf, bevor oder ohne dass Ware zurückläuft; wurde noch nichts versendet, entsteht gar keine Retoure.

Von der Retoure als Einzelvorgang ist zudem das Retourenmanagement als übergeordnete Disziplin zu unterscheiden: Es organisiert die Gesamtheit aller Rücksendungen, ihre Prozesse, Kennzahlen und Vermeidungsstrategien. Die Retoure ist der konkrete Fall, das Retourenmanagement der steuernde Rahmen. Innerhalb der Logistik ist die Rückführung Teil der Retourenlogistik – dem Gegenstück zum ausgehenden Fulfillment und ein Baustein der umfassenderen Kreislauf- und Entsorgungslogistik.

Praxisbeispiel

Beispiel: Modehändler senkt Kosten durch strukturierte Retouren

Ein mittelständischer Onlinehändler für Bekleidung verzeichnet in der Größenkategorie Schuhe eine Retourenquote von über 40 Prozent – viele Kunden bestellen zwei Größen und schicken eine zurück. Anfangs wurden Rücksendungen manuell bearbeitet: Pakete stapelten sich am Wareneingang, die Zuordnung zum Auftrag kostete Zeit, Gutschriften wurden per Hand erstellt und wieder eingelagerte Artikel waren tagelang nicht verkäuflich.

Der Händler führte ein Retourenportal ein und band es an sein ERP an. Kunden melden ihre Rücksendung nun selbst an und wählen einen Grund aus; das System erzeugt Etikett und Retourenbeleg mit Auftragsbezug automatisch. Am Wareneingang scannen die Mitarbeiter die Retourennummer, prüfen den Zustand und buchen die Ware direkt in den verfügbaren oder in den Sperrbestand. Verkaufsfähige Artikel stehen dem Shop innerhalb von Stunden wieder zur Verfügung, Gutschriften entstehen automatisch. Die Auswertung der Retourengründe deckte zudem einen Schuh mit systematisch falscher Größenangabe auf, der nach Korrektur der Produktdaten deutlich seltener zurückkam.

Häufige Fragen

Eine Retoure ist die physische Rücksendung bereits gelieferter Ware, unabhängig vom Grund. Eine Reklamation ist die Beanstandung eines Mangels und kann in eine Retoure münden – muss es aber nicht, etwa wenn der Verkäufer einen Preisnachlass gewährt und die Ware beim Kunden bleibt.
Das ERP legt einen Retourenbeleg mit Bezug auf den ursprünglichen Auftrag an, bucht die zurückkommende Ware als Wareneingang und aktualisiert den Bestand. Aus demselben Vorgang entsteht die Gutschrift oder Erstattung in der Buchhaltung, sodass Lagerbestand und Konten automatisch übereinstimmen.
Nein. Beim gesetzlichen Widerruf im Fernabsatz können Händler die Rücksendekosten dem Kunden auferlegen, wenn sie darüber informiert haben; viele bieten die kostenlose Rücksendung aber freiwillig als Serviceargument an. Bei einer berechtigten Reklamation trägt in der Regel der Verkäufer die Kosten.
Nach der Zustandsprüfung wird die Ware weiterverwendet: Wiederverkaufsfähige A-Ware geht zurück in den verfügbaren Bestand, leicht gebrauchte B-Ware wird mit Abschlag verkauft oder aufbereitet, mangelhafte Artikel gehen an den Lieferanten zurück oder werden entsorgt.

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