E-Commerce & MultichannelZuletzt geprüft: 2026-07-30

GTIN (Global Trade Item Number)

Die GTIN (Global Trade Item Number) ist der weltweit eindeutige Identifikationsschlüssel von GS1 für Handelseinheiten. Sie kennzeichnet ein bestimmtes Produkt eines bestimmten Herstellers unverwechselbar und ist als Barcode maschinenlesbar – von der Kasse bis zum Marktplatz-Listing.

Die GTIN (Global Trade Item Number) ist die weltweit eindeutige Nummer, mit der die Standardisierungsorganisation GS1 Handelseinheiten identifiziert. Jede GTIN gehört genau einem Produkt eines genau bestimmten Herstellers und wird nur einmal global vergeben. Als Barcode auf der Verpackung ist sie maschinenlesbar, sodass ein einziger Scan im Wareneingang, an der Kasse oder im Lager genügt, um den Artikel im ERP-System zweifelsfrei aufzurufen.

GTIN ist dabei ein Oberbegriff: Er fasst die früher getrennt geführten Nummernsysteme zusammen, allen voran die europäische EAN und die nordamerikanische UPC. Seit 2009 ist GTIN die offizielle Bezeichnung von GS1 für all diese Artikelnummern. Eine gültige EAN-13 ist damit zugleich eine GTIN – der Begriff hat sich lediglich vom regionalen zum globalen, formatunabhängigen Standard gewandelt.

Auf einen Blick

  • Weltweit eindeutiger GS1-Identifikationsschlüssel für Handelseinheiten
  • Oberbegriff über EAN (Europa) und UPC (Nordamerika) – seit 2009 offiziell
  • Vier Formate: GTIN-8, GTIN-12, GTIN-13 und GTIN-14
  • GTIN-14 kennzeichnet Umverpackungen und Gebinde über eine Indikatorziffer
  • Im ERP am Artikelstamm geführt; Pflichtfeld für viele Marktplatz-Listings

Wie ist die GTIN (Global Trade Item Number) aufgebaut?

Eine GTIN besteht ausschließlich aus Ziffern und trägt keine sprechende Bedeutung – sie ist ein reiner Schlüssel, der auf einen Datensatz verweist. In allen Formaten setzt sie sich aus dem GS1-Präfix, dem Unternehmenspräfix, einer vom Hersteller frei vergebenen Artikelbezugsnummer und einer abschließenden Prüfziffer zusammen. Das GS1-Präfix benennt nicht das Herkunftsland der Ware, sondern die GS1-Länderorganisation, bei der das Unternehmen seine Nummern lizenziert hat.

Die Grenze zwischen Unternehmenspräfix und Artikelnummer ist variabel: Wer viele Produkte kennzeichnet, erhält ein kürzeres Präfix mit mehr freien Artikelstellen; kleine Sortimente erhalten ein längeres Präfix. Entscheidend bleibt, dass die vollständige Nummer weltweit nur einmal existiert und dauerhaft an dieselbe Handelseinheit gebunden ist.

Die vier GTIN-Formate

GTIN gibt es in vier Längen, die alle im selben Nummernraum liegen. GTIN-13 ist die klassische EAN-13 und der Standard für Konsumgüter. GTIN-12 entspricht der nordamerikanischen UPC. GTIN-8 ist die verkürzte Variante für sehr kleine Verpackungen. GTIN-14 schließlich kennzeichnet Umverpackungen und Gebinde – etwa einen Karton mit zwölf Einzelartikeln. In Datenbanken werden kürzere GTINs oft mit führenden Nullen auf 14 Stellen aufgefüllt, damit alle Formate einheitlich verarbeitet werden können.

Prüfziffer und Indikatorziffer

Die letzte Stelle jeder GTIN ist eine nach dem Modulo-10-Verfahren berechnete Prüfziffer. Sie erlaubt es dem System, Scan- und Tippfehler sofort zu erkennen und eine fehlerhafte Buchung zu verweigern. Die GTIN-14 trägt zusätzlich vorne eine Indikatorziffer (1 bis 8), die die Verpackungsstufe angibt – so lässt sich ein Sechserpack von der Einzelflasche unterscheiden, obwohl beide auf demselben Basisprodukt beruhen.

Die GTIN im ERP-System

Im ERP-System wird die GTIN als eigenes Feld am Artikelstamm geführt, meist unmittelbar neben der internen Artikelnummer beziehungsweise SKU. Von dort steuert sie zahlreiche Prozesse: Im Wareneingang gleicht ein Scan die gelieferte Ware gegen die Bestellung ab, in der Kommissionierung stellt er sicher, dass der richtige Artikel gegriffen wurde, und am Warenausgang bestätigt ein zweiter Scan die Sendung. Der Barcode übersetzt die Ziffernfolge dabei in ein maschinenlesbares Signal, das Handscanner in Sekundenbruchteilen auflösen.

Weil die GTIN variantengenau vergeben wird, benötigt jede Produktvariante eine eigene Nummer – jede Farbe, jede Größe, jede Füllmenge. Das ERP muss diese Zuordnung sauber am Variantenmodell abbilden, damit Bestand, Versandetikett und Marktplatz-Listing pro Variante stimmen. Häufig kommt die GTIN nicht direkt aus dem ERP, sondern aus einem vorgeschalteten PIM, das die produktbezogenen Attribute pflegt und über Schnittstellen an Shop und Marktplätze verteilt.

Für Eigenmarken und selbst kalkulierte Handelsware ohne Hersteller-GTIN vergeben Händler eigene Nummern aus ihrem lizenzierten Präfix. Das ERP oder das PIM verwaltet den zugeteilten Nummernvorrat, damit keine GTIN doppelt genutzt wird – eine doppelt vergebene Nummer führt sonst zu Fehlzuordnungen über die gesamte Lieferkette hinweg.

Warum die GTIN im Handel wichtig ist

Der Nutzen der GTIN liegt in Eindeutigkeit und Automatisierung. Weil eine Nummer weltweit nur einem Artikel gehört, verstehen sich Hersteller, Groß- und Einzelhandel sowie Marktplätze ohne Absprache über die Ware – die GTIN ist die gemeinsame Sprache der Lieferkette. Am Point of Sale beschleunigt der Scan den Kassiervorgang und verhindert Erfassungsfehler; im Lager macht er Ein- und Ausbuchungen schnell und zuverlässig.

Im Onlinehandel ist die GTIN darüber hinaus Voraussetzung für Sichtbarkeit und Katalogpflege. Große Marktplätze wie Amazon verlangen für viele Kategorien eine gültige GTIN, um Angebote demselben Produkt zuzuordnen und Dubletten im Katalog zu vermeiden. Auch Preisvergleichsportale und das Shopping der Suchmaschinen führen identische Produkte verschiedener Anbieter über die GTIN zusammen. Fehlt sie oder ist sie falsch, bleibt ein Artikel unauffindbar oder wird als separates Produkt geführt – die konsequente Pflege im Artikelstamm zahlt damit direkt auf Absatz und Datenqualität ein.

Abgrenzung: GTIN vs. EAN, UPC, SKU und ASIN

Rund um die GTIN kursieren mehrere ähnliche Begriffe. EAN und UPC sind keine Konkurrenten der GTIN, sondern konkrete Formate unter ihrem Dach: Die EAN-13 ist die GTIN-13, die zwölfstellige UPC die GTIN-12. Wer eine gültige EAN besitzt, besitzt damit automatisch eine GTIN – ein separater Antrag ist nicht nötig.

Grundlegend anders ist die SKU (Stock Keeping Unit). Sie ist eine interne Artikelnummer, die jedes Unternehmen frei nach eigener Systematik vergibt und die außerhalb des eigenen Hauses keine Bedeutung hat. Die GTIN dagegen ist global standardisiert und für alle Marktteilnehmer gleich. Im ERP stehen beide nebeneinander am Artikelstamm.

GTIN vs. ASIN und andere Marktplatz-IDs

Marktplätze führen eigene Produkt-IDs – bei Amazon etwa die ASIN. Diese IDs sind plattformspezifisch und werden vom Marktplatz vergeben, oft anhand einer eingereichten GTIN. Die GTIN bleibt die herstellerübergreifende, plattformunabhängige Referenz; die ASIN ist lediglich der interne Katalogschlüssel eines einzelnen Marktplatzes. Im Produktfeed liefert der Händler die GTIN, damit die Plattform sie korrekt ihrem Katalogeintrag zuordnet.

DACH-Besonderheiten und Vergabe über GS1

GTINs werden nicht frei erfunden, sondern über die nationalen GS1-Organisationen lizenziert – im deutschsprachigen Raum GS1 Germany, GS1 Austria und GS1 Switzerland. Ein Unternehmen erwirbt dort ein Unternehmenspräfix und bildet daraus eigene Artikelnummern. Die typischen DACH-Präfixe – etwa der Bereich 400–440 für über GS1 Germany vergebene Nummern, 900–919 für Österreich und 760–769 für die Schweiz – zeigen nur an, bei welcher Organisation lizenziert wurde, nicht wo das Produkt hergestellt oder verkauft wird.

Ein verbreiteter Irrtum ist deshalb, aus dem Präfix das Herkunftsland ablesen zu wollen: Eine GTIN mit deutschem Präfix kann an einem in Fernost gefertigten Artikel hängen. Zu beachten ist außerdem, dass GS1 die früher üblichen kostenlosen oder unbefristeten Einzelnummern zunehmend durch lizenzpflichtige Modelle ersetzt. Marktplätze prüfen eingereichte GTINs teils gegen die GS1-Datenbank – nur sauber lizenzierte Nummern werden dauerhaft akzeptiert, weshalb Händler von wiederverkauften Fremd-GTINs absehen sollten.

Praxisbeispiel

Beispiel: Getränkehändler kennzeichnet Einzelflasche und Gebinde

Ein mittelständischer Getränkehändler führt eine Eigenmarke und lizenziert bei GS1 Germany ein Unternehmenspräfix. Für die einzelne 0,5-Liter-Flasche vergibt er eine GTIN-13, die als EAN-Barcode auf dem Etikett steht und an der Kasse gescannt wird. Für den Sechserträger und die Palette bildet er zusätzlich GTIN-14 mit unterschiedlichen Indikatorziffern, sodass jede Verpackungsstufe eindeutig unterscheidbar bleibt.

Alle Nummern werden zentral im PIM gepflegt und über die ERP-Schnittstelle an Shop und Marktplätze verteilt. Als ein Marktplatz für eine neue Sorte die GTIN einfordert, ist sie im Artikelstamm bereits hinterlegt und wird ohne Rückfrage dem richtigen Katalogeintrag zugeordnet. Im Wareneingang bucht das Lager die gelieferten Paletten über die GTIN-14, während die Kommissionierung einzelner Flaschen über die GTIN-13 läuft – Bestand und Listings bleiben über alle Stufen konsistent.

Häufige Fragen

GTIN ist der Oberbegriff, EAN ein konkretes Format darunter: Die EAN-13 ist technisch die GTIN-13. GS1 hat die Bezeichnung EAN 2009 offiziell durch GTIN ersetzt, um europäische EAN und amerikanische UPC unter einem Begriff zu vereinen. Eine gültige EAN ist also immer auch eine GTIN.
Es gibt GTIN-8 für sehr kleine Verpackungen, GTIN-12 (UPC) für Nordamerika, GTIN-13 (EAN-13) als Standard für Konsumgüter und GTIN-14 für Umverpackungen und Gebinde. Die GTIN-14 trägt eine Indikatorziffer, die die Verpackungsstufe angibt.
Ja. Die GTIN wird variantengenau vergeben – jede Farbe, Größe und Füllmenge erhält eine eigene Nummer. Ein Artikel in fünf Größen und drei Farben benötigt also fünfzehn GTINs. Das ERP-System muss diese Zuordnung am Variantenmodell abbilden, damit Bestand und Marktplatz-Listings stimmen.
Eigene GTINs erhält man ausschließlich über ein lizenziertes Unternehmenspräfix der nationalen GS1-Organisation, in Deutschland GS1 Germany. Wiederverkaufte Fremd- oder Billig-GTINs werden von Marktplätzen zunehmend abgelehnt, weil sie gegen die GS1-Datenbank geprüft werden.

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